Die Wasserseite von Zürich

Überall Wasser… Wie viele Schweizer Orte wird auch Zürich – die kulturelle und wirtschaftliche Metropole der Eidgenossenschaft – vom Wasser geprägt. Der Zürichsee dominiert die Stadt und versprüht einen besonderen Charme. Gleich zwei Flüsse durchqueren das Zentrum. Sämtliche Gewässer sorgen für unzählige Freizeit- und Bademöglichkeiten und verbergen beliebte Gay-Treffpunkte. Erkunden wir die Wasserseite von Zürich.

© Rafael_Wiedenmeier

Zürich und der Zürichsee, das gehört untrennbar zusammen. Nicht umsonst ist der 88 km² große See nach der ca. 400.000 Einwohner zählenden Schweizer Metropole benannt. Das saubere Juwel ist an der breitesten Stelle nur knapp 4 Kilometer breit, jedoch etwa 42 Kilometer lang. Sowohl links als auch rechts des Seeufers reiht sich ein malerischer Küstenort an den anderen, mit kleinen Häfen, Seepromenaden, Fahrradwegen und natürlich Villen mit Seezugang. Das untere rechte Seeufer zwischen Zollikon und Stäfa wird als Goldküste bezeichnet, weil man hier besonders lang die Abendsonne genießen kann und sich aufgrund der geringen Steuersätze besonders viele Wohlhabende angesiedelt haben. Unter anderem besaß Udo Jürgens hier eine Villa und hat Tina Turner in Küsnacht ihren Hauptwohnsitz.

© PatrickHutter

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Nun aber wieder zurück in die Stadt Zürich, die sich malerisch am nördlichen Ende des Zürichsees ausbreitet. Bei der Einfahrt mit dem Schiff hat man einen wunderschönen Blick auf das Zürcher Seebecken mit den noblen Hotelgebäuden am Ufer, den Türmen und Kirchen der Altstadt und den modernen Gebäude der neueren „Quartiere“, wie hier die Stadtviertel bezeichnet werden. Von der Schiffanlegestelle am Bürkliplatz sind es nur wenige Schritte bis zur Quaibrücke. Nicht umsonst gilt die frisch renovierte Brücke mit breitem Fußgänger- und Fahrradweg als beliebtes Fotomotiv. Sowohl stadteinwärts rund um den Fluss Limmat und die Altstadt als auch stadtauswärts in Richtung See und Berge eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama. Und hier wird klar: Das wichtigste Element in Zürich ist Wasser.

© photogearch

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Gleich nach der Brücke liegt das Bellevue, mit Kaufhäusern, Kinos, dem größten Platz der Stadt und dem historischen Opernhaus. Besonders bei schönem Wetter herrscht hier reges Treiben. Geschäftsleute nehmen in einer der vielen Bars einen Drink, beim Stand von Mövenpick – dem angeblich besten Eis der Stadt – stehen die Menschen Schlange und am renommierten Sternen Grill isst Alt und Jung eine Bratwurst. An der Seepromenade füttern Touristen die Schwäne, zeigen Straßenkünstler ihre Darbietungen, spazieren Touristen sowie Einheimische auf und ab und nehmen Menschen Platz, um direkt am Wasser eine Pause einzulegen.

© oscity

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Nach einem kurzen Spaziergang an der Seepromenade kommen wir am Utoquai an. Dieses prestigeträchtige, mehr als 125 Jahre alte Seebad genießt Kultstatus in Zürich. Das hölzerne und weiß gestrichene Gebäude der historischen Badeanstalt weckt Erinnerungen an vergangene Zeiten. Auch drinnen ist alles aus Holz. Sowohl unten als auch eine Etage höher breiten sich Gäste aus, sodass an vollen Tagen vor lauter Handtüchern der Holzboden gar nicht mehr zu sehen ist. Interessantes Detail: Im diesem nostalgischen „Badi“ – so nennen die Schweizer ihre Freibäder – gibt es einen gemischten, einen Frauen- sowie einen Männer-Bereich. Wenig überraschend ist der Bereich für Männer ein besonders beliebter Gay-Treffpunkt, man könnte fast das Gefühl haben, es handle sich um eine Gay-Only-Area. Wer den Sprung in den See wagt, kann direkt im Wasser bei einem beeindruckenden Ausblick das Stadtgeschehen beobachten . Die Wassertemperaturen klettern im Sommer übrigens gewöhnlich weit über 20 Grad. Auf den Holzstegen kann man dann bei herrlicher Kulisse die Seele baumeln lassen und die Sonne genießen.

Noch ein anderes Badi ist allen Gays in Zürich ein Begriff. Etwa zehn Minuten zu Fuß in Richtung stadtauswärts liegt das Strandbad Tiefenbrunnen. Im Gegensatz zum Utoquai gibt es hier kein palastartiges Gebäude mit Holzbrettern, sondern die Badegäste breiten sich gemütlich auf der grünen Wiesen aus. Auch hier steht ein eigener Bereich für Männer zur Verfügung, der ebenfalls wieder fast exklusiv von Gays genutzt wird. Schwule selbst bezeichnen Tiefenbrunnen oft scherzhaft als „Tuntenbrunnen“. In dieser Badeanstalt warten Rutschen, Trampoline und eine kleine Imbiss-Stube. Ein idealer Ort, um bis zum Sonnenuntergang zu verweilen.

© zuerich.com

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Aber nicht nur der See dient den Menschen in der kleinen Großstadt als Freibad, auch die beiden Flüsse Limmat und Sihl wissen die ZürcherInnen zu nutzen. Etwa bei den Oberen oder Unter Letten an der Limmat. Das Wasser hier ist kühler als am See, dafür ist es bei heißen Sommertemperaturen erfrischender und für viele ist es besonders reizvoll, für einige Meter mit dem Flussstrom zu schwimmen und dann wieder zurück zu spazieren. Und keine Angst, das Schwimmvergnügen im Fluss ist natürlich sicher. Noch etwas weiter flussabwärts befindet sich mit der Werdinsel ein weiterer Fixpunkt der Gays von Zürich. Ein Großteil der Limmat-Insel ist FKK-Bereich und ganz besonders bei den Queers beliebt. Heißes Detail am Rande: In den Wäldern und im Gebüsch der Werdinsel wird gerne mal gecruist.

Noch heute gibt es in Zürich ein Frauenbadi sowie ein Männerbadi, in dem sich nur jeweils ein Geschlecht dem Badekult widmen kann. Erst am Abend, wenn sich die Badis dann zu angesagten Bars umgestalten, ist Schluss mit Geschlechtertrennung. So etwa wird die Rimini Bar am Flussbad Schanzengraben zu einem beliebter Treffpunkt für einen relaxten Aperitif und wird Mann in der Barfüsser-Bar im Frauenbadi nur eingelassen, wenn er seine Schuhe auszieht… Nicht selten finden an den Badi-Bars Konzerte oder Partys statt.

Wenn wir schon in Zürich sind, dann wollen wir natürlich auch in der Nacht was erleben und die Gay-Szene entdecken. Zürich ist eine kleine Großstadt und daher ist das Angebot an Gay-Locations zwar interessant, aber dafür auch überschaubar. Im belebten Ausgehviertel rund um die Langstraße ist seit einigen Jahren das „Les Garcons“ ein beliebter Gay-Treffpunkt. Im Sommer stehen die BesucherInnen gerne im Freien. Das Gute dabei: Man hat direkten Blick auf die schräg gegenüberliegende Bar „Männerzone“, in der am Wochenende vor allem Bären & Friends anzutreffen sind. Und wer dann Lust auf Action hat, der kann sich gleich in die Sauna „Renos Relax“ in die dritte Etage begeben; und auch die „Moustache Sauna“ ist nur einen Katzensprung entfernt. (ms)