Attraktives Thüringen: Erfurt & Weimar

Thüringen liegt so ziemlich in der Mitte Deutschlands – ist darum auch aus allen Richtungen gut und schnell erreichbar. Erfurt ist die ehrwürdige Hauptstadt dieses nicht mehr ganz neuen Bundeslandes. In der Nähe liegt Weimar, eine Kulturstadt der historischen Veränderungen. Eine Reise mit spannenden Einblicken und Erfahrungen.

Erfurt: Puppen, Senf & Krämerbrücke

Vor vielen Jahren unternahm ich mit meinen Eltern eine Rundreise durch die damalige DDR. Wir sind auch durch Thüringen getourt und machten Station in Erfurt. Im Interhotel Erfurter Hof, das heute nicht mehr existiert, nahmen wir Quartier. Es war damals eines der besten Häuser am Platz, hier hat Willy Brandt mit Willi Stoph über die deutsch-deutsche Zukunft verhandelt. Es wurde sehr viel Wert auf Etikette gelegt. Als ich abends zum Essen im dortigen Restaurant Platz nahm, habe ich das Missfallen des Oberkellners geweckt, denn ich erschien mit weißem Hemd und – Fettnäpfchen –  in Jeanshose. Ich wurde aufgefordert, mir ein „anständiges“ Beinkleid anzuziehen. Was ich dann auch reumütig tat. Das ist mittlerweile lange her, die Zeiten haben sich sehr geändert. Schon der Bahnhof ist eine Überraschung. Supermodern, schicke Shops, Knotenpunkt für Fernstrecken. Ich treffe Monika am Ausgang. Sie kommt aus dem Westen, hat hier seit Jahren ihre neue Heimat und ist sehr glücklich damit. Zu Fuß gehen wir vom Willy-Brandt-Platz zum Anger, dann rechts ab in die Weitergasse. Hier liegt das Hotel Zumnorde. Um die Ecke liegt das Schuhgeschäft mit gleichem Namen. Andreas Müller, ein stattlicher Mann mit freundlichem Lächeln, ist hier Chefkoch und Manager. Das Hotel liegt nicht nur sehr zentral, hat schöne Zimmer und Suiten, sondern ist auch von seiner kulinarischen Seite eine Empfehlung wert. Andreas erklärt mir, dass der Münsteraner Unternehmer Zumnorde einst auf einer Reise hier Halt machte, diese Stadt sofort in sein Herz schloss und nach der neuen Schuh-Filiale in Erfurt noch mit einem Hotel expandierte. Mich wundert das nicht, denn Erfurt hat das gewisse Etwas, das kann ich bestätigen. Einerseits großzügige Boulevards, die zum Flanieren und Shoppen einladen, andererseits eine wunderschöne Altstadt mit herrlichen Bauwerken aus unterschiedlichen Epochen.

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Aufgang zur Krämerbrücke © Ralph Bloemer

Mit Matthias Gose und Monika mache ich mich auf den kurzen Weg in die besagte Altstadt, es sind tatsächlich nur fünf Minuten zu Fuß – schon ist man auf dem Fischmarkt mit dem Rathaus. Hier schmiegen sich die Prunkfassaden der Bürgerhäuser nur so aneinander. Darin befinden sich heute noble und traditionelle Restaurants, schicke Cocktail-Bars und knuffige Geschäfte. Wir gehen die Marktstraße entlang, zum berühmten Erfurter Dom. Das gewaltige Gotteshaus, mit riesigem Vorplatz, ist auch von innen eine wahre Offenbarung. Die hohen Glasgemäldefenster stammen zu einem großen Teil noch aus dem Mittelalter. Von der großen zu der kleinen Kunst: Erfurt ist auch Puppenstadt. Ein Besuch im Puppenstubenmuseum lässt mein kindliches Herz höherschlagen. Hier findet man altes Spielzeug und Mini-Welten aus den Kinderzimmern früherer Epochen. Dann staunen wir gemeinsam vor einem mechanischen Puppenspiel über die dramatischen Ereignisse der Odyssee. Den Schöpfer dieser kunsthandwerklichen Meisterstücke treffen wir in seiner Werkstatt auf der Krämerbrücke. Dies ist die längste vollständig bebaute und heute noch bewohnte Brücke Europas – ein Unikum. Ein solches ist auch der „Mechanikus“ Martin Gobsch. Dem gelernten Bühnenbildner und Puppenbauer können wir bei der Arbeit ein bisschen über die Schulter schauen. Auf der Krämerbrücke treffen wir auch Beate Kister in ihrem Atelier Kleinformat. Sie malt herzige Bildchen, die Jung und Alt begeistern. Nebenan ist der Thüringer Spezialitätenmarkt, wo mir Bettina Vick die Leckerbissen der Region zu Gemüte führt. Besonders zu erwähnen sind der schmackhafte Senf und der köstliche Eierlikör. Und gegenüber gibt es noch die Goldhelm Schokoladenmanufaktur, die fabelhafte Süßigkeiten anbietet. Da bleibt es nicht aus, dass ich jetzt auch die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Thüringer Rostbratwurst probieren möchte. Dazu gehen wir ins „Faustfood“ um die Ecke: Indoor-Grill mit Selbstbedienung. Auf dem Teller natürlich die Wurst, dazu hausgemachten Kartoffelsalat und – selbstredend – den berühmten Senf aus Erfurt. Das mundet sehr! Auf dem Rückweg besuchen wir noch die Alte Synagoge. Hier kann man auch den „Jüdischen Schatz“ bewundern: wertvolle Münzen, Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus dem Mittelalter. Von ganz alt zu ganz neu: Mit Monika fahre ich zur Hipster-Kolonie Zughafen. In dem ehemaligen Bahndepot haben sich Start-ups versammelt, darunter auch die Mikrobrauerei „Heimathafen“, die Jan mit seiner Freundin betreibt. Wir probieren seinen Gerstensaft und fachsimpeln ein wenig über die verschiedenen Sorten. Durch Jans Initiative hat Erfurt wieder sein ganz eigenes Bier. Doch der Abend ist noch jung, und ein weiteres Highlight liegt vor mir. Denn ich bin Gast bei Maria Groß in ihrem Restaurant „Bachstelze“. Maria ist bekannt als Starköchin und Jurorin in Funk und Fernsehen. Ich darf mich bei der Vorbereitung des Buffets in der Küche nützlich machen. Bei Schnippeln, Schneiden und Braten lerne ich die Promi-Köchin von ihrer ganz natürlichen Seite kennen und schätzen. Sie ist die jüngste Sterneköchin Deutschlands, ist im TV gegen Tim Mälzer angetreten. Maria ist dabei ganz geerdet geblieben, liebt ihr Restaurant und ihre treuen Gäste – Thüringer Wirtshausküche ist ihr Konzept. So kommen raffinierte und zugleich herzhafte Gerichte auf den Tisch. Und ich habe eine Menge von Maria gelernt. Noch ein Tipp für Nachtschwärmer: die Cocktail-Bar „Modern Masters“ in der Michaelisstraße. Hier mixt der preisgekrönte Spirituosenpapst Torsten Spuhn seine süffigen Kreationen. Immer gut für einen Absacker.

 

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Erfurter Dom © Ralph Bloemer

 

Weimar: Dichterfürsten & Bauhaus

 

Bei strahlendem Sonnenschein fahre ich mit der Bahn nach Weimar, das dauert etwa eine halbe Stunde. Weimar – da klingen verschiedene Dinge bei mir an. Die Weimarer Republik zum Beispiel, deren Verfassung hier beschlossen wurde. Dann Goethe und Schiller, die hier große Triumphe feierten und deren Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater zu bewundern ist. Gesa führt mich zu den wichtigen Stätten in Weimar, die europa- und weltweit Berühmtheit genießen. In der Geschichte der Stadt gibt es unterschiedliche Perioden: Das klassische Weimar mit Hochblüte von Kunst und Kultur im 18. und 19. Jahrhundert. Zum UNESCO-Welterbe gehören hier unter anderem die Wohnhäuser von Goethe, Schiller und Herder, dazu noch die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Dann die Anfänge des Bauhaus, welches später nach Dessau umgezogen ist. Im Jubiläumsjahr 2019 wird hier das Bauhaus groß gefeiert. Wir besichtigen das Grab von Lucas Cranach, der hier mit seinem Sohn gleichen Namens lebte und arbeitete. Dann eine Büste von Bach, der hier als Hoforganist und Konzertmeister tätig war. Sehr lohnend sind natürlich die Wohnstätten von Goethe und Schiller, die zu besichtigen sind. Ebenso das Gartenhaus von Goethe, das etwas abseits im Park liegt. Hier atmet wirklich fast jeder Quadratmeter Geschichte. 2017 war Reformationsjahr – auch Luther hat in Weimar seine Spuren hinterlassen. Aber die Stadt hat ebenfalls in der jüngeren Vergangenheit große Impulse gesetzt. Die Künstler des Bauhaus haben hier eine erste Wirkungsstätte erhalten. Wir besuchen die Bauhaus-Universität, die heute den kreativen Nachwuchs intensiv fördert. In den Gebäuden der Lehranstalt weht noch der Geist, der besonders in der Architektur weltweit für Furore gesorgt hat. Nach diesen starken Eindrücken fahren wir zum Ilmschlösschen, wo die Bauhäusler rauschende Feste gefeiert haben. Heute geht es hier etwas ruhiger zu, dafür kann man wunderbar thüringische Küche im Restaurant genießen. Nach einer deftigen Mahlzeit geht es zum barocken Lustschloss Belvedere, mit herrlichem Blick über die Stadt, deren Bekanntheit ja auch durch den „Tatort“ gefördert wird. Dann wird es leider Zeit, diesen großartigen Ort der Kunst und Künstler zu verlassen. Man könnte hier noch so viele Dinge entdecken und erleben…

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Kunst in Weimar © Ralph Bloemer

Abends bin ich wieder in Erfurt und besuche das Traditionsrestaurant „Zum Güldenen Rade“. Hier probiere ich die berühmten Thüringer Klöße, mit einer Füllung aus Lachs und Spinat. Fabelhaft! Dann geht es ins Theater: Eine fulminante Aufführung vom Leonard Bernsteins „West Side Story“ steht auf dem Programm.

 

Bevor ich Erfurt, das schon von Luther in den höchsten Tönen gelobt wurde, am nächsten Tag „Adieu“ sagen muss, besuche ich noch einen weiteren, historisch wichtigen Ort: die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße. In dem ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis empfängt mich Dr. Jochen Voit. Hier wird der Unterdrückungsapparat der ehemaligen DDR erlebbar gemacht. Auch die Revolution zum Ende des Regimes kann man hier auf sich wirken lassen. (rb)

Mehr Infos:

www.erfurt-tourismus.de

www.weimar.de/tourismus

www.thueringen-entdecken.de