Auf nach München

Es ist Freitagnachmittag. Die Arbeitswoche im Büro war lang und stressig. Am Wochenende ist nichts Besonderes geplant, alle Freunde haben bereits was vor. Keine Lust auf ein langweiliges Wochenende zu Hause. Dann die spontane Idee: Ich muss übers Wochenende nach München. Zwei Stunden später ist mein Weekender gepackt, die Unterkunft gebucht und ich bin am Flughafen. Und kurz nach 22:00 Uhr bin ich dann schon mitten im Zentrum der bayrischen Hauptstadt.

© Mapics

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In der Unterkunft angekommen, packe ich schnell den Koffer aus und mache mich für die Nacht bereit. Und schon einige Minuten später nehme ich ein Taxi in die Müllerstraße, das Zentrum des Gay-Life von München. Erster Halt ist die Bar „Ochsengarten“. Dort muss ich jedoch ziemlich bald feststellen, dass sie für meine Verhältnisse zu bärig und fetish-lastig ist. Aber kein Problem, denn gleich daneben befindet sich die Bar „Bau“. Hier läuft gute Musik, das Publikum ist gemischt und die Crowd wirkt relaxt. Im Untergeschoss stelle ich dann fest, dass hier auch gecruist wird. Ich trinke ein paar Radler und komme ins Gespräch mit den Münchnern. Ich soll heute unbedingt auch noch in den „N.Y. Club“, wird mir gesagt. Das mache ich dann auch. Hier tanzen die Jungen und Süßen bei aktueller Popmusik so richtig ab und ich bleibe bis in den Morgen. Am Freitag gibt es übrigens hier immer aktuelle Chart- und Popmusik, während am Samstag vor allem House läuft.

© Fadylr

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Da sich meine Unterkunft in der Nähe des zentral gelegenen Isartors befindet, bin ich am Samstagvormittag dann schnell in der Stadtmitte. Fürs Frühstück – oder sollte ich besser Mittagskaffee sagen – spaziere ich zum Viktualienmarkt. Der jahrhundertealte Traditions-Lebensmittelmarkt und Biergarten von München hat alles, was sich der Gaumen wünschen kann, zu bieten. Besonders fallen mir dabei die vielen frisch gepressten Säfte, die exotischen Obstsorten und natürlich all die bayrischen Spezialitäten ins Auge. Beim Maibaum in der Mitte des Marktes kommt dann so richtig bayerisches Feeling auf.

© AlexRaths

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Der erste Hunger ist gestillt. Ich brauche nur ein paar Schritte zu gehen und schon bin ich direkt am Marienplatz, dem Herzen von München. Mein Blick fällt natürlich sofort auf das barocke Rathaus und die dahinterliegende Marienkirche mit ihren zwei Türmen. Ich spaziere in der Fußgängerzone die Kaufingerstraße und Neuhauserstraße entlang und muss bei den vielen Shops immer wieder einen Halt einlegen. Beim Stachus/Karlsplatz mit Springbrunnen, Stadttor und Justizpalast knipse ich dann ein paar Fotos.

© Bernd Wittelsbach

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Da ich auch Lust auf Gay-Shopping habe, spaziere ich vorbei am Münchner Stadtmuseum und der Synagoge zum Sendlinger Tor. Von „Seba’s“ in der Angertorstraße bin ich jedoch etwas enttäuscht, ich hätte mir mehr Auswahl erwartet. Der „Brunos“-Store in der Thalkirchnerstraße hat dann aber einiges zu bieten, auch wenn er um einiges kleiner ist als etwa der Shop in Berlin. Gleich daneben entdecke ich das Gay-Café „Kraftwerk“, wo ich mich überzeugen kann, dass hier am Samstagnachmittag was los ist und die Auswahl an Kuchen macht mir Freude. Anscheinend soll hier auch das Frühstück ziemlich lecker sein. Zufällig spaziere ich an der Schrannenhalle vorbei und bin erstaunt von dieser Markthalle – einer ehemaligen Getreidehalle aus dem 19. Jahrhundert, in der heute kulinarische Spezialitäten aus Frankreich, Italien und vielen weiteren Ländern angeboten werden. Für ein Glas Prosecco ist natürlich immer Zeit…

© aprott

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Erfrischt gehe ich wieder zurück in Richtung Marienplatz und spaziere die Weinstraße – ebenfalls eine Fußgängerstraße – entlang bis zum Marienhof. Der Park macht mir Lust auf eine kurze Pause und deshalb setze ich mich kurz hin, um die Leute so zu beobachten – Gott sei Dank ist das Wetter noch gut. Dabei muss ich feststellen, dass die Menschen durchwegs ziemlich gut angezogen sind und ich habe schon das Gefühl, dass man hier besonders viel auf sich hält. In Norddeutschland und Berlin sind die Menschen irgendwie bescheidener. Aber das gehört wohl zu München, genauso wie auch die verhältnismäßig hohen Preise. Als ich dann in die Maximilianstraße – vorbei am schönen Max-Joseph-Platz und der prächtigen Staatsoper – entlangschlendere, wird das nochmals bestätigt. Aber es ist ja auch die Luxusstraße der Stadt mit den edelsten Boutiquen, die man sich so vorstellen kann. Gerne würde ich mal im Hotel Kempinski logieren, denk ich mir beim Vorbeischlendern.

©bukki88

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Bodenständiger wird es dann wieder am Odeonsplatz mit der sehenswerten und ganz in gelb gestalteten Theatinerkirche und der italienisch anmutenden Feldherrenhalle. Hier wird nämlich gerade ein Markt mit Bier, Wein und regionalen Lebensmitteln veranstaltet. Zwei Glas Wein, ein Käsebrot sowie bayrischer Schinken aus Bayern und mir geht’s wieder besser. Gleich daneben sehe ich den Hofgarten, der ebenfalls zum Verweilen einlädt. Aber dafür ist jetzt keine Zeit mehr. Nun aber wieder zurück ins Hotel, bevor ich mich in die Samstagnacht stürze…

© querbeet

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Nach einer kurzen Chillpause in meiner Unterkunft ist mein erster Halt die „Camp“-Cruisingbar in der Reisingerstraße. Die Location ist ziemlich klein und voll. Als ich den Kellner nach einem Desperados frage, zählt er mir ca. zehn Biersorten auf. „Du kannst bei uns alles haben, aber das haben wir nicht“, meint er. Da habe ich mir in der Bier-Hochburg Bayern wohl einen Fauxpas erlaubt.

© querbeet

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In der naheliegenden Bar „Prosecco“ genieße ich dann ein paar gute Schlager. Danach geht’s wieder zurück ins „Bau“ – diese Bar würde in München wohl zu meinem Stammlokal werden, wenn ich dort wohnen würde. Meine Nacht endet dann in der „Deutschen Eiche“ – einer Gay-Institution von München. Es handelt sich um ein gay-friendly Hotel – leider gab es dieses Wochenende bei meiner spontanen Reise keinen Platz mehr für mich – ein renommiertes Restaurant mit bayrischen Spezialitäten sowie die wohl beste Gay-Sauna Bayerns. Ich konzentriere mich jetzt Mal auf die Sauna. Der Eingang dafür befindet sich direkt hinter der Hotelrezeption und ich bekomme den Eindruck, dass die Zimmer hier bestimmt besonders schön sind. In der Sauna „erwarten“ mich dann drei Etagen und viele einheimische sowie internationale Gäste. Es wird eine tolle Nacht…

© querbeet

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Den Sonntag beginne ich dann wieder am Marienplatz in einer Filiale des Traditionscafés „Rischart“, berühmt für eine großartige Auswahl an süßen Verführungen. Die Gäste sind zwar vorwiegend älter und, so wie ich, Touristen, aber mein Brunch mit Aussicht auf das Rathaus schmeckt trotzdem lecker. Danach widme ich mich noch einmal dem Sightseeing in der Stadt. Ich besuche den Olympiapark, wo ich am Olympiaturm bei einem Nachmittagstee einen tollen Ausblick genießen kann. Danach lasse ich bei einem Spaziergang den Nachmittag gemütlich ausklingen.

© Björn Kindler

© Björn Kindler

Zum Abschluss begebe ich mich nochmals zur Deutschen Eiche, denn schließlich wurde mir das Restaurant von einem Münchner Freund empfohlen. Ich bereue es nicht, denn in der Speisekarte ist alles, was man von sich von einem traditionellen Münchner Gasthof erwartet. Ich entscheide mich für einen deftigen Schweinebraten mit Bier. Wenn schon München, dann so richtig, zu Hause wird dann ja wieder gesund gegessen… Sämtliche Gerichte bekommt Mann übrigens auch in der Sauna serviert. Leider ist mein Wochenende schon wieder vorbei. In den Englischen Garten, zum Königsplatz sowie dem Schloss Nymphenburg habe ich es dieses Mal leider nicht geschafft. Aber ich komme ja bald wieder… (ms)