Bludenz: Alpenstadt mit Herz

Am westlichen Zipfel von Österreich, nahe der schweizerischen Grenze, liegt diese hübsche Stadt. Wir befinden uns in Vorarlberg. Wien ist weit weg, der österreichische Charme ganz nah. In Bludenz ist es im Sommer wie im Winter herrlich: Wandern oder Skifahren, Jause oder Kaiserschmarrn, die umliegenden Täler erkunden – hier gibt es viele schöne Dinge zu erleben.

Arkaden bei Nacht // © Ralph Blömer

Ein gemütlicher Ort für Genießer

 Am Nachmittag treffe ich am Bahnhof von Bludenz ein. Am Infopunkt warten schon Wiebke und Sarah. Großes Hallo. Wiebke fragt mich, ob wir zu Fuß gehen wollen. Na klar, ich habe nur kleines Gepäck dabei. Also machen wir uns auf den Weg zu meinem Quartier für diese Tage. Es ist das Schlosshotel Dörflinger, eines der ersten Häuser am Platz. Wir steigen die Treppen hinauf zum Schlossberg, von hier hat man eine herrliche Aussicht über die Stadt und das umliegendes Land. Apropos Aussicht: Susi, die Gastgeberin im Hotel, gibt mir das „Zimmer über dem Garten“ – vor dem Fenster eröffnet sich das ganze Panorama von Bludenz. Nachdem ich mich ein bisschen frisch gemacht habe, treffen wir uns wieder an der Rezeption und planen den Rest des Tages. Eine kleine Stadttour steht auf dem Programm. Also den Schlossberg runter und in die Altstadt. Hier gibt es kleine Gassen mit Arkaden, wo man schön shoppen kann. Die kleinen Lädchen und Boutiquen bieten etwas für jeden Geschmack. In einem Laden gibt es zum Beispiel Gin aus lokaler Produktion. Wer hätte das gedacht? Wir erleben die Blaue Stunde in Bludenz, das Licht ist einzigartig und gibt dem historischen Ambiente besonderen Glanz. Es ist Zeit für einen Happen. An einem Stand gibt es regionale Schmankerln. Dazu gehören Gerstensuppe und Raclette-Brot. Ja, richtig. Aus Gerste kann man wirklich eine leckere Suppe machen, nahr- und schmackhaft. Und Raclette gibt es eben nicht nur in der Schweiz, sondern auch im benachbarten Vorarlberg. Denn die Kultur hier eher alemannisch geprägt. Sarah zeigt mir, wie man den Käse-Imbiss hier zubereitet. Als Unterlage dient ein kräftiges Bauernbrot, darauf kommt dann der würzige Raclette-Käse in flüssiger Form und siedend heiß, getoppt wird das Ganze mit Zwiebeln. Dazu trinkt man hier ein zünftiges Bier, wie es sich gehört.

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Raclette-Brot // © Ralph Blömer

 

Am Abend möchte ich noch ein wenig Kultur schnuppern. Ich gehe zur Remise Bludenz, dort ist das Kulturzentrum der Stadt. Die LeinwandLounge lädt heute zu einem besonderen cineastischen Event ein. „The Square“ wird gezeigt, eine brillante Satire auf den Kulturbetrieb aus Skandinavien.  Der Film geht mit seiner bissigen, tragikomischen Gesellschaftskritik richtig unter die Haut. Hätte ich gar nicht damit gerechnet, hier im Kulturzentrum von Bludenz. Als ich mich im Anschluss an die Vorführung mit Wolfgang Maurer treffe, wird mir einiges klar. Er ist vom Verein allerart, der die Remise für die kulturellen Veranstaltungen des Vereins nutzt. Wir unterhalten uns im Galerie-Raum, wo die Ausstellung von Monika Supé zu bestaunen ist. Drahtobjekte in einem strahlend weißen Raum, das hat eine außergewöhnliche Wirkung. Wolfgang klärt mich ein wenig auf über das Kulturleben der Stadt. Es ist sehr vielfältig und breit gefächert, gar nicht provinziell. Große Künstler wie Klaus Maria Brandauer geben sich in Bludenz gerne die Ehre eines Besuchs. Es gibt einen Literatursalon, im Sommer ein Shakespeare-Festival und alljährlich die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik, mit internationalen Teilnehmern. Das kann sich sehen lassen für eine Stadt mit etwas über 20.000 Einwohnern.

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Blaue Stunde Bludenz // © Ralph Blömer

Ausflug nach Brand

 Am nächsten Morgen, nach einem kräftigen Frühstück im Hotel, mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Ich nehme den Bus mit der Nummer 81 nach Brand. Wir fahren etwa eine halbe Stunde und sind schon mitten im Skigebiet der Region. Im Sommer kann man hier wunderbar wandern, etwas oberhalb liegt der Lünersee. Jetzt ist allerdings alles in Weiß gehüllt. Ich treffe mich mit Luis, einem echten Original der Berge. Er ist hier Wanderführer, war früher Polizist. Ein Pfundskerl, wie man so sagt. Wir verstehen uns auf Anhieb prima. Mit dem Auto fahren wir zur Palüdbahn, die uns bei strahlendem Sonnenschein auf 1660 Meter Höhe bringt. Ich bin als Kölner gar nicht mehr so den Schnee gewohnt, von dem es hier reichlich gibt. Die Region um Brand ist sehr beliebt bei Skifahrern. Mit Luis stapfe ich den Hang von der Bahn zur Palüdhütte hoch. Diese wird von Christian Beck und seiner Frau Sabine bewirtschaftet. Auch der Sohn des Hauses hilft mit im Betrieb. Die Hütte ist Herberge mit fünf Zimmern, außerdem Restaurant mit außergewöhnlicher Speisekarte. Denn Christian ist ein sehr vielseitiger Mann: kreativer Koch, berühmt für seine Käsespätzle und Topfenlasagne, außerdem weitgereister Fachmann für die Kunst des Bogenschießens und Bogenbauens. Er ist dahin gereist, wo die besten Bögen gebaut werden und hat von dort Impulse für das eigene Schaffen mitgebracht. Ein wirklich spannender Gesprächspartner und imposanter Mann. Zum Abschluss unserer Mittagsjause gönnen wir uns eine Spezialität des Hauses, den Alpenrosenblütenschnaps. Das ist ein Wunder auf dem Gaumen. Gereicht wird der edle Tropfen mit einem Geweih, die Gläser haben nur Stiel, keinen Boden. Sehr originell. Dann ist es Zeit für unsere zweite Etappe auf dem Berg. Wir kehren ein bei Werner Nekola, Wirt der Melkbodenhütte. Hier soll es einen hervorragenden Kaiserschmarrn geben. Auf der Terrasse hat man einen wunderbaren Blick auf das Rätikongebirge. Werner erzählt, wie diese große Blockhütte entstanden ist, mit Erweiterungen für den Küchenbereich und den Gastraum. Hier ist es sehr gemütlich, es ist ein beliebter Ort, um nach dem Skifahren oder Rodeln einzukehren. Dann ist es für Luis und mich Zeit, wieder die Päludbahn runter nach Brand zu nehmen. Ich nehme mir jetzt Zeit für das Relaxen, und zwar im Hotel Walliserhof. Das Haus ist am Hang gebaut. Für den Aufenthalt im Gletscher Spa bekommt man eine Art Seesack mit allen Utensilien.

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Hüttengaudi // © Ralph Blömer

Dann geht es mit dem Aufzug nach unten. Hier erwartet einen die schöne Wellness-Anlage des Hotels, mit Kräutersauna und Latschendampfbad zur Entschlackung. Nach ein paar Stunden im Spa spüre ich, wie der Körper sich entspannt. Die gute Höhenluft, in Kombination mit Wellness, tut einfach gut. Mit dem Bus fahre ich zurück nach Bludenz. Am Abend treffe ich Albert Burtscher. Er ist geprüfter Nachtwächter. Im Ernst: Die Geschichte der Stadt kann man sehr gut auf einer Nachtwächterführung kennen lernen. Albert ist auch standesgemäß ausgestattet: Mit Hellebarde und Laterne entdecke ich unter der sachkundigen Anleitung von Albert die Historie der Gassen und Häuser der Stadt. Auch besteigen wir den Turm von St. Laurentius, der nur ausnahmsweise geöffnet wird. Unser Abendmahl nehmen wir gemeinsam im Eichamt, es gibt eine deftige Käseplatte und Fohrenburger Bier dazu. Das Besondere am Restaurant Eichamt: Es ist Ausbildungsstätte für junge Leute, die noch keine Arbeit gefunden haben, also eine soziale Einrichtung. Auch das wirft wieder ein besonders positives Licht auf diese Stadt, die sich um ihre Bürger kümmert.

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Auf dem Weg zur Hütte // © Ralph Blömer

Der nächste Tag bricht an, und ich habe wieder ein schönes Programm vor mir. Zunächst fahre ich mit Wiebke und Sarah zur Maruler Biosennerei. Klaus Pfefferkorn leitet das Unternehmen, welches sich der nachhaltigen Produktion von Käse verschrieben hat. Klaus ist ein agiler Typ, mit viel Sinn für Humor. Wir dürfen zuschauen, wie der Käse in der kleinen, aber sehr modernen Anlage hergestellt wird. Das macht richtig Spaß. Wir dürfen auch den Bergkäse Spezial probieren, dazu gibt Klaus einen Molkeschnaps aus. Das schmeckt fabelhaft. Weiter geht es zur Probstei St. Gerold. Dort treffen wir Pater Kolumban, der hier die Leitung innehat. Er ist Schweizer. Denn diese Probstei gehört zum Kloster Einsiedeln im Kanton Schwyz. Dieser Ort dient der Besinnung, der inneren Einkehr und Entschleunigung. Hier kann man Tagungen abhalten, Seminare besuchen oder einfach nur wohnen und zu sich finden. Sehr zu empfehlen für gestresste Mitmenschen, die sich etwas Gutes tun möchten. Zurück in Bludenz besuche ich mit Sarah noch das Milka-Museum, denn die lila Versuchung hat hier ein Zuhause. In Bludenz wird gute Schokolade hergestellt. Ein schöner Aufenthalt in einer Region, die man das ganze Jahr besuchen kann. (rb)

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In den Bergen bei Brand // © Ralph Blömer

Mehr Infos:

www.vorarlberg-alpenregion.at