Dänische Facetten: Aarhus & Mariagerfjord

Pulsierendes Kulturleben und beschauliche Landschaften, das sind bemerkenswerte Facetten Dänemarks. In Aarhus geht das bunte Jahr als Kulturhauptstadt zu Ende, am Mariagerfjord hingegen scheint die Zeit still zu stehen. Bei unserem nördlichen Nachbarn sind Innovation und Gemütlichkeit keine Gegensätze, sondern Bestandteile einer harmonischen Lebensart. Und die Dänen sind Genießer: Essen und Trinken, leben und leben lassen, Freude am Dasein.

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Auf der Weide am Mariagerfjord // © Ralph Blömer

Aarhus: Kulturhauptstadt & Gamle By

 Früher haben die Wikinger hier gesiedelt, heute ist Aarhus kreatives Laboratorium und Heimat von Gourmet-Tempeln. Die zweitgrößte Stadt Dänemark tritt aus dem Schatten seiner Schwester Kopenhagen. Aarhus erfindet sich neu, und das jeden Tag. Faszinierend ist schon der erste Eindruck im Hotel Wakeup, um die Ecke vom Bahnhof. Vom Preis her eher Budget, das Konzept allerdings sehr spannend. Design steht an oberster Stelle, dann Funktionalität und überzeugender Service. Es macht Spaß, hier Quartier zu nehmen. Ich bin mit Tine in der Kneipe vom Öst for Paradis Cinema verabredet. Tine ist LGBT-Aktivistin und organisiert alljährlich den Aarhus Pride. Der findet wieder am 2. Juni 2018 statt. Außerdem leitet Tine das PROUD! Filmfestival, mit vielen interessanten Events. Bei einem Cappuccino reden wir über die Situation der LGBT-Szene in Aarhus. So erfahre ich auch einiges über die Denkweise der Leute in dieser Stadt. Denn die Dänen, und die Menschen in Aarhus ganz besonders, sind tolerant. Menschenrechte und alternative Lebensweisen sind hier Ausdruck von einer weltoffenen Mentalität.  Dies offenbart sich auch in der Präsentation von Aarhus als Europäische Kulturhauptstadt 2017: Das Motto lautet „Let’s Rethink“, also Überdenken und Umdenken ist gefragt. Bei den Veranstaltungen geht es weniger um spektakuläre Darbietungen und Image-Aufwertung, sondern mehr um philosophische Konzepte zur Umsetzung neuer Lebensformen und kreativer Gestaltung der Zukunft. Und es ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem sich die Bürger aktiv beteiligen und Impulse geben können. So stehen die Grundwerte von Vielfalt, Demokratie und Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda dieses Jahres. Apropos Nachhaltigkeit: Das Fahrrad ist ja ein sehr umweltfreundliches Verkehrsmittel, und davon machen die Aarhuser regen Gebrauch. Auf eigenen Fahrspuren für die Drahtesel kann man sich sicher und zügig durch die ganze Stadt bewegen.

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Menschen auf dem Rainbow Walk // © Ralph Blömer

Nach dem netten Gespräch mit Tine mache ich mich auf den Weg zu einer weiteren schillernden Persönlichkeit von Aarhus. Niels ist Braumeister und Betreiber des Aarhus Bryghus. Diese Mikrobrauerei hat ein besonderes Profil. Denn Niels hat in vielen Ländern Erfahrungen gesammelt und diese zusammen geführt. Daher ist sein Bier auch von besonderer Güte. Seine Biersorten haben eigene Geschichten, sind geschmacklich vorzüglich und mit besten Zutaten gebraut. Niels ist ein Freidenker, ein praktischer Philosoph des Gerstensafts. Ich kann ihm wirklich stundenlang zuhören, wenn er von seiner Auslandserfahrung erzählt, wie die Hippies an der West Coast damals anfingen, eigenes Bier zu brauen. Die fanden nämlich das Gebräu der großen Konzerne ziemlich langweilig. Nun haben die Hippies den Stab weiter gereicht an die Hipster, die Söhne und Enkel im Geiste. Mit den Hippies haben die Hipster nämlich nicht nur die Bärte gemeinsam, sondern auch den Individualismus und die Kreativität. Nun ist Niels weder Hippie noch Hipster, aber ein Mann mit Durchblick und dem Charisma eines Bier-Begeisterten. Wir verstehen uns richtig gut. So bin ich sehr beglückt, als er mich einlädt, mit ihm noch ein paar andere kulinarische Highlights von Aarhus zu besuchen. Wir fahren zu Aarhus Street Food, einem Zusammenschluss von Gastronomen, die in einer Art Lagerhalle ihre leckeren Angebote an Ständen bereithalten. Diese internationalen Gerichte sind auch für Studenten erschwinglich, daher tummeln sich hier viele junge Leute an langen Holztischen und genießen das gemeinsame Erlebnis. Dabei wird mir wieder klar, dass die Dänen ein sehr geselliges Völkchen sind. Mit Niels geht es weiter zu Hantwerk, Brauerei und Restaurant am Hafen. Neben der deftigen Küche gibt es hier originelle und schmackhafte Biersorten, die mir Nick zu Gemüte führt. In dem Gastro-Pub ist mächtig was los. Ein Tasting-Event findet gerade statt.

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Dokk1 am Hafen von Aarhus // © Ralph Blömer

Am nächsten Morgen bin ich mit Heidi im Dokk 1 verabredet. Sie zeigt mir dieses hochmoderne Bürgerhaus mit Bibliothek am Hafen. Es gehört mit seiner raffinierten Architektonik mittlerweile auch zu den Wahrzeichen der Stadt. Lesen macht hier richtig Spaß, man sitzt in gemütlichen Sesseln und schmökert vor sich hin. Bei strahlendem Sonnenschein mache ich mich jetzt auf den Weg zu Den Gamle By. Hier wird urbane Zivilisation in der Chronologie hautnah erlebbar. 1909 gegründet, wurden hier Häuser aus dem Mittelalter bis zur Gegenwart in einem städtischen Ensemble aufgebaut. Es ist ein Freilichtmuseum, in dem man auch etwas über altes Handwerk lernen kann. Da gibt es einen Hutmacher, Uhrmacher und Schmied, denen man über die Schulter schauen kann. Und ein Spielzeugmuseum: Kinderträume vergangener Zeiten werden hier sichtbar. Ich schlendere durch die Gassen mit den schönen Fachwerkhäusern. Dann werfe ich einen Blick in die Ausstellung  „Aarhus erzählt“, die auf eine Zeitreise durch die Entwicklung der Stadt mitnimmt. Wieder in der Gegenwart angekommen, mache ich mich auf den Weg zum Aarhus Kunstmuseum ARoS. Mit Anne geht es erst mal auf das Dach, denn hier steht Your rainbow panorama, ein begehbares Regenbogen-Kunstwerk. So kann ich die ganze Stadt mal von oben betrachten. Das ARoS zeigt fabelhafte Ausstellungen von bedeutenden internationalen Künstlern. Und für den großen und kleinen Hunger ist ebenfalls im Hause gut gesorgt, zum Beispiel in der Wine & Food Hall.

Fachwerk mit Windmühle Gamle By // © Ralph Blömer

Mariagerfjord: Hygge & Entschleunigung

 Ken holt mich am Nachmittag vom Hotel ab, und wir fahren eine knappe Stunde Richtung Norden von Jütland. Es ist flach und grün, soweit das Auge reicht. Dann kommen wir an der Ostseeküste in Öster Hurup an, das zwischen dem Hochmoor Lille Vildmose und der Mündung des Mariagerfjords liegt. Das Meer – leichte Brise, erst mal durchatmen. Mikkel empfängt mich mit einem breiten Lächeln vor dem Ferienhäuschen in der Siedlung am Hafen. Das ist sehr geräumig und komfortabel, und ich fühle sofort schon richtig wie daheim. Ein Nachbar kommt vorbei, Niels Rasmussen. Er zeigt mir die Hafenanlage, und wir wandern auch ein bisschen am Strand entlang. Die Restaurants haben Fisch auf der Speisekarte. Nachdem ich mich nach der Tour ein bisschen frisch gemacht habe, treffe ich Kristina im Restaurant Hr og fru Jensen, das nur ein paar Schritte entfernt ist. Wir unterhalten uns über die Region und deren Besonderheiten. Dabei kosten wir die Spezialitäten vom Ehepaar Jensen. Wunderbare Fisch- und Fleischgerichte, hinterher gibt es noch leckeres Dessert. Am nächsten Morgen holt mich Bo ab. Er ist Center-Leiter von Lille Vildmose. Wir fahren in dieses Naturschutzgebiet, das zu den größten in Dänemark gehört. Hier leben Elche und Rothirsche, sogar Steinadler brüten hier. Im Center schauen wir uns die Ausstellung zu Flora und Fauna in dem Gebiet an. Dann geht es mit dem SUV hinaus in das Gelände. Mit dem Feldstecher halten wir Ausschau nach Wild. Pferde grasen friedlich am Wegesrand. Die besondere Landschaft ist beeindruckend und Balsam für die Seele. Bo ist ein Naturschützer durch und durch, kennt alle Pflanzen- und Tierarten, kann darüber auch anschaulich Auskunft geben. Und manchmal sagt er gar nichts, nimmt etwas Kautabak und blickt mit Wohlbehagen in die Ferne. Nach unserer schönen Tour holt mich Mikkel ab. Er ist ein Journalist, der früher beim dänischen Fernsehen gearbeitet hat und jetzt gerne auf dem Lande lebt. Mikkel kennt viele Geschichten, wir klönen und scherzen zusammen. Wir fahren nach Mariager, dort machen wir Halt beim Saltcenter. Salz ist ein wichtiger Rohstoff in dieser Region, riesige Salzstöcke liegen unterirdisch. Wir nehmen den Lunch im Café –  ich probiere Fish Cake, mit deftigen Bratkartoffeln. Dann treffe ich Henrik, der das Saltcenter leitet. Er führt mich erst mal in die „Mine“, wo der Abbau des weißen Goldes nachgestellt ist. Dann zeigt er mir die Ausstellung zum Thema und die Salzsiederei. Und für Wellness ist hier auch gesorgt. Ich kann mich noch für eine Stunde im Salzbad entspannen, das tut gut. Natürlich kann man hier auch Salz in allen Variationen kaufen. Mit Anne gehe ich anschließend durch den beschaulichen Ort Mariager. Hier gibt es eine wunderschöne Kirche und einen duftenden Rosengarten, den man unbedingt besuchen sollte. Es ist ein stiller, romantischer Ort, der viel Frieden ausstrahlt. Hygge und Entschleunigung werden hier besonders spürbar. Mariager ist zur Slow Town erkoren worden. In diesem internationalen Netzwerk versammeln sich Orte mit besonders hoher Lebensqualität. Mit Mikkel beschließe ich den Abend im Restaurant vom Hotel Postgaarden. Das Essen ist reichhaltig und sehr delikat. Hier hat sogar schon mal Elton John einen Abend verbracht.

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Mit Uffe am Mariagerfjord // © Ralph Blömer

Mit Uffe gehe ich am nächsten Morgen auf Wanderschaft, entlang des Mariagerfjords auf der Panorama-Route. Herrliche Aussichten. Glückliche Kühe. Ein Schmetterling am Wegesrand. Uffe ist Naturführer. Er hat seinen Hund immer dabei. Die Wanderwege sind gut befestigt, das Laufen angenehm. Wir kommen an einem Golf-Platz vorbei. Im Hotel Bramslevgaard werden wir von Lene erwartet, die uns zu einer prächtigen Kalten Platte mit Fischhappen einlädt. Dann weiter zum Dampfschiff Svanen, das uns wieder zurück nach Mariager bringt. Mit Mikkel fahre ich zum Vikingecenter Fyrkat. Hier kann man hautnah erleben, wie die Wikinger seinerzeit lebten. Am offenen Feuer werden rustikale Speisen zubereitet, ein Zimmermann geht seinem Handwerk nach. Ziegen liegen entspannt in der Sonne. Dann fahren wir nach Hobro, wo wir eine Ausstellung mit graphischen Kunstwerken anschauen. Neben den Kunstetagerne in Hobro gibt es eine Mikrobrauerei, wo wir den Tag gemeinsam Revue passieren lassen. Es war ein schöner Tag. Nach so viel frischer Luft habe ich großen Appetit. Da trifft es sich gut, dass ich abends noch im Restaurant Neptun esse, im Hafen von Öster Hurup. Denn hier gibt es Fisch satt, fangfrisch. Eine Reise, die richtig Spaß gemacht hat. (rb)

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Fish Cakes in Mariager // © Ralph Blömer

Mehr Infos:

www.visitaarhus.de

www.visitmariagerfjord.dk

www.visitdenmark.de