Die Juwelen  von Mykonos

„Ein weißes Boot, sein Kindertraum. Dann ist er wahrgeworden. Das war der Stern von Mykonos, das war sein Boot, sein Leben.“ Lang ist es her, als Katja Ebstein schon 1973 der griechischen Insel ein Denkmal setzte. Das weiße Boot ist jedoch nicht der einzige Stern der Gay-Partyinsel. Und so haben wir uns auf die Suche unserer Sterne von Mykonos – der Juwelen der Insel – gemacht.

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Die griechische Ferieninsel und Gay-Destination Mykonos ist uns allen ein Begriff. Doch was zeichnet das beliebte Reiseziel eigentlich aus? Wir haben uns auf die Suche der Juwelen von Mykonos gemacht.

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Körperkult und Champagner am Super Paradise Beach

Der Superparadise Beach ist nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum von Mykonos entfernt. Es geht vorbei an der kurzen Landebahn des Flughafens und schon wenige Minuten später sind wir mitten im Super Paradise und somit an einem der nobelsten Strände der Insel. Der Strand ist voll mit Sonnenschirmen, gut aussehenden Menschen, die zeigen möchten, dass sie es sich leisten können, hier eine sauteure Liege zu mieten. Die Kellner servieren den Badegästen zu Hauf Champagner, Cocktails und feinstes Essen – man gönnt sich ja sonst nichts. Das glasklare Wasser lädt zum Schwimmen ein. Ab 16:00 Uhr – wenn die zwei Strandclubs ihre Musik anmachen – wird es ziemlich laut. Wobei für Badegäste auf der Suche nach Ruhe und Gelassenheit ist der Super Paradise Beach sowieso nicht der richtige Ort. Aber dafür ideal, um sehen und gesehen zu werden; oder um beim Jackie O’Beach Club mit Swimming Pool und schöner Aussicht einen Cocktail – für etwa 20 Euro ist man dabei – zu schlürfen. Dabei wird man beim Beobachten der heißen Kellner nicht aus dem Staunen kommen. Einer ist sexier als der andere und man hört, um hier arbeiten zu dürfen, muss man zuerst an einem Beauty-Casting teilnehmen. Hier hält man was auf sich. Jeden Abend treten Drag Queens auf – die Location gehört zum bekannten Gay-Club Jackie O’ in Mykonos-Stadt – und sorgen für eine rundum queere Atmosphäre. Ob man auf Luxus und High Society steht oder nicht, ein Besuch des Super Paradiese Beach gehört in Mykonos einfach dazu.

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Entspannte Atmosphäre am Elia Beach

Die Anreise zum Elia Beach führt mit dem Moped, dem Quad oder dem Auto – ein Fahrzeug zu mieten ist hier kein Problem – über Ano Mera, den zweitgrößten Ort der Insel. Ein kurzer Halt eingelegt – immerhin gibt es hier einen netten Stadtplatz mit einladenden Tavernen und ein Kloster zu besichtigen – und die Fahrt geht weiter. Steinzäune, Ziegen, vereinzelt weiße Häuser und ein blauer Himmel sind die Begleiter entlang der engen und kurvigen Straßen mit den vielen Schlaglöchern, bis wir die Bucht von Elia Beach erreichen. Ein schönes Restaurant, überall mit Stroh bedeckte Sonnenschirme und kristallklares Wasser. Das Publikum rund um das Restaurant ist ziemlich gemischt, je weiter wir nach rechts spazieren, umso schwuler und freizügiger wird es. Am Ende des Strandabschnittes sind fast nur mehr Männer zu sehen. Die Liegestühle sind auch hier nicht günstig, aber immerhin eine Spur preiswerter als am Super Paradise Beach. Die Atmosphäre ist entspannt, im Gegensatz zum Super Paradiese Beach ist hier weniger Attitude zu spüren.

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Das Schönste an Elia Beach kommt noch. Hinter dem großen Standbereich mit den Liegestühlen und den vielen Badegästen verbirgt sich eine kleine Bucht, die man nur erreichen kann, wenn man ein paar Minuten an den Felsen entlang spaziert oder dorthin schwimmt. Liegestühle oder ähnliches sucht man hier vergebens, es haben nur die Natur und die nacktbadenden Männer das Sagen. Typen aus Italien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, auch ein paar Griechen, alles ist hier vertreten. Die Atmosphäre ist äußerst locker und familiär und man kommt leicht ins Gespräch. Wer alleine hierher kommt, wird sich nicht lange alleine fühlen. Alle reden mit allen, irgendwie wie eine große Familie. An den Abendstunden, wenn die meisten wieder aufbrechen, wird es hier ziemlich cruisy. Und auch die Felsen dahinter – übrigens auch wunderbare Fotomotive – sind für Action bekannt. Schüchtern darf man jedoch nicht sein, denn wirklich gut verstecken kann man sich hier nicht. Der beste Strand in Mykonos für Bekanntschaften und lockeres Badevergnügen aller Art.

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Unberührte Strände im Norden

Im Gegensatz zu den Stränden Paradise, Super Paradise, Agrare oder Elia im Süden sind einige Strände im Norden wie etwa Panormos, Fokos oder Ftelia noch ziemlich unberührt und mitunter ruhig. Besonderes Highlight ist Agios Sostis in der Panormos-Bucht. Ein extrem steiler Weg führt zu diesem ruhigen Strand, sodass die Autos oft schon etwas weiter oben abgestellt werden. Eine Kirche, eine Taverne, ein paar vereinzelte Häuser sowie die Ruine eines ehemaligen Wachturms… Mehr gibt es hier nicht. Neben dem wunderschönen Strand als Kulisse natürlich. Feiner Sand und eine ursprüngliche Natur machen den Charme von Agios Sostis weit weg vom Trubel anderer Strände der Insel aus. Hier sind weder Sonnenschirme noch Restaurants oder Hotels zu finden, denn dieser Agios Sostis steht unter Naturschutz, der jegliche Veränderung untersagt. Selbst in der Hochsaison ist immer ein ruhiges Plätzchen zu finden. Dann noch eine Stärkung in der besonders authentisch anmutenden Taverne mit Holzofen-Grill – da es sich um das einzige Lokal weit und breit handelt, wird eine Reservierung empfohlen – und der Ferientag kann nicht mehr schiefgehen. Bei der Rückfahrt ist dann noch ein Abstecher zum Leuchtturm am Kap Armenistis mit Aussicht auf die Nachbarinsel Tinos ins Herz zu legen.

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Tagesanbruch in Little Venice

Früher Morgen in Little Venice im Herzen von Mykonos-Stadt. Auch heute beginnt der Tag mit Sonne und Wind. Die fünf Windmühlen, das Landmark der Stadt, sind auch jetzt wieder das beliebteste Fotomotiv der Touristen. In „Klein-Venedig“, wo am Abend bei feinem Fisch und teuren Cocktails der Sonnenuntergang bewundert wird und in der Nacht Party bis in die frühen Morgenstunden angesagt ist, herrscht noch Ruhe. Nur die Wellen, die fast zu den Tischen raufbrechen und den Pflastersteinboden nass und rutschig machen, sind zu hören. Einen Kaffee und ein griechisches Joghurt mit Nüssen zum Frühstück, und der Tag kann beginnen. Im malerischen Stadtviertel mit den alten Kapitänshäusern und den bunten Holzerkern sowie Balkonen direkt über dem Meer sollen sich früher die Frauen zum Plaudern getroffen haben, während ihre Männer auf hoher See waren. Die Einheimischen sind zwar fast verschwunden, aber der besondere Reiz von Little Venice blieb erhalten.

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Ein Irrgang durch die Gassen der Stadt

Pflastersteine so weit das Auge reicht, enge, verwinkelte Gassen, überall schneeweiße Gebäude, dazu das Blau vom wolkenlosen Himmel. Blau angestrichene Türen, Fenster und Balkone, dazwischen immer wieder bunt blühende Blumen. Dazu kommen unzählige Tavernen, kleine Läden und Kirchen mit ihren Kuppeln sowie heftig wehende griechische Flaggen. Das ist die Altstadt der Chora, wie Mykonos-Stadt auch bezeichnet wird. Am schönsten ist es im historischen Viertel Kastro. Hier geben die Fußgänger den Ton an, denn das gesamte Altstadtzentrum ist für Autos gesperrt. Am besten einfach mal drauflosspazieren und sich im Labyrinth der unendlich wirkenden Gassen verirren. Auch an den Modeboutiquen mangelt es hier übrigens nicht und selbst jene auf der Suche nach Luxus kommen nicht zu kurz. Auch ein Besuch vibrierenden Bucht des alten Hafens sollte eingeplant werden.

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Besondere Beachtung gilt einer besonderen Sehenswürdigkeit: den Kirchen von Panagia Paraportiani. Die schneeweißen Mauern dieses Ensembles aus insgesamt fünf neben- und sogar aufeinander erbauten Kapellen direkt am Wasser sorgen für Griechenland-Feeling pur. Während hier tagsüber Touristen massenweise Fotos knipsen, herrscht hier zu später Nachtstunden eine ganz andere Atmosphäre. Die Gegend rund um „the church“ ist nämlich der Cruising-Hotspot der ganzen Insel. Cruising rund um eines der schönsten Sehenswürdigkeiten der Insel – das ist doch was…

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Perfekter Sonnenuntergang an der Sunset Bar im Elysium Hotel

Das Elysium ist das Gay-Hotel schlechthin auf der Insel und bietet bescheidenen Luxus. Dieser hat allerdings seinen Preis und in der Hauptsaison ist die begehrte Unterkunft meist lange im Vorhinein ausgebucht. Wer es ein bisschen günstiger haben möchte, kann es im direkt gegenüberliegenden Pelikan Hotel versuchen. Und noch ein Tipp für wunderbares Übernachten in der Nähe: Paolas Town Hotel. Das liebevolle gestaltete und familiäre Hotel in traditionell griechischem Baustil mit einem Pool überzeugt vor allem mit dem unglaublich freundlichen und hilfsbereiten Personal. Die Herzlichkeit von Besitzerin Irene und die Tatsache, wie sie um jeden einzelnen Gast bemüht ist, sind unschlagbar.

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Zurück aber zum Elysium Hotel. Auch wer keine Möglichkeit hat, hier zu übernachten, der sollte dennoch mal vorbeischauen. Und zwar kurz vor Sonnenuntergang. Da versammeln sich Gays aus Nah und Fern an der Sunset Bar rund um den wunderschönen Outdoor-Swimming Pool und die Panorama-Terrasse. Am besten einen Cocktail bestellen – ja, auch hier sind die Getränke sehr hoch – und sich bei der grandiosen Aussicht auf die Bucht und die Stadt einfach treiben lassen. Kurz bevor dann die Sonne hinter dem Ozean verschwindet, wird es fast kitschig schön im Elysium. Drag-Shows versüßen die Abende und sorgen für beste Stimmung, bis dann das Dunkel der Nacht die Stadt in glitzernden Lichtern erstrahlen lässt.

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In den Nächten ist Party angesagt

Sind wir uns mal ehrlich, wir sind nicht nur aufgrund der Schönheit der Insel und der wunderbaren Strände hier. Die Toleranz in Verbindung mit den Gay-Locations gehören natürlich zu Mykonos dazu. Wobei die Insel keine reine Gay-Destination ist – auch (wohlhabende) Familien kommen gerne hierher – und das Publikum etwas gemischter zu sein scheint als etwa in Sitges oder auf Gran Canaria. Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch. In den Abend- und Nachtstunden trifft sich die ganze Insel in Mykonos-Stadt, denn nur hier ist richtig etwas los. Nach dem Abendessen zieht es Mann vor allem in die Porta Bar oder in der Montparnasse Piano Bar. Erst später los geht es im Jackie O´ an der Old Harbour Waterfront, dem Gay-Hotspot schlechthin. Direkt am Meer gelegen, sind in dieser Club-Location vor allem Chillen und Cocktailschlürfen sowie People-Watching im Freien angesagt. Drinnen wird getanzt und den Drag-Queens bei ihren Shows zugejubelt. Direkt daneben befindet sich ein weiterer Club, das Babylon. Auch wenn hier oft weniger los ist als bei Jackie O’, und die Drag-Queen des Clubs ist ein Mythos. Einfach selber ansehen kommen… Noch ein Besuch der @54 Disco Bar mit netter Aussichtsterrasse und wir haben die wichtigsten Gay-Locations von Mykonos gesehen.

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Wir haben sie also entdeckt, unsere Juwelen  von Mykonos: wunderschöne Strände, eine malerische griechische Stadt wie im Bilderbuch, gehobenes Nightlife und Gay-Hotspots, die Typen aus aller Herren Länder anlocken. Dies sind die besten Zutaten für einen gelungenen Urlaub! (ms)