Einmal um die Welt – Tops und Flops für Gay-Reisen

Was wäre das Leben ohne Reisen? In der Ferne lernen wir neue Kulturen kennen, können wir Sehenswürdigkeiten und Landschaften bewundern, aber natürlich auch feiern und ab und zu ist auch der eine oder andere Urlaubsflirt dabei. Ein Urlaub kann aber schnell zu einer bösen Überraschung werden, denn nicht überall wird die GLBT-Community so herzlich willkommen geheißen, wie wir uns das wünschen. Nach wie vor stoßen „etwas andere Reisende“ auf Intoleranz und können im schlimmsten Falle sogar strafrechtlich verfolgt werden. Wir unternehmen eine Weltreise que(e)r durch die Kontinente und heben einige der angesagtesten sowie einige der absolut nicht empfehlenswerten Destinationen für Gays heraus. Wie sieht’s aus, top oder flop?

© MundusImages

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Europa

Es gibt gute Nachrichten: In keinem europäischen Land (mehr) ist Homosexualität strafbar. Die tolerantesten Länder unseres Kontinents sind im Norden zu finden. So wird man in Finnland, Dänemark, Schweden oder Norwegen nur selten auf intolerante Menschen stoßen. Händehaltende Gays werden hier – außer vielleicht in kleinen Dörfern – keines Blickes beachtet. Gleiches gilt für die Niederlande. Zu den Musts für Gays in Europa zählen ohne Zweifel die Hauptstädte Berlin, Paris, London, Amsterdam oder Madrid. Aber auch andere Großstädte wie Barcelona oder Mailand können auf ihr Gay-Angebot stolz sein. Trendige Sommertreffpunkte für Gays sind Torre del Lago in Italien, das griechische Mykonos oder Sitges in der Nähe von Barcelona.

Allgemein gilt, dass in den Ländern, in denen der Einfluss der Kirche noch ziemlich groß ist, Gays nicht immer gerne gesehen werden. Dies trifft natürlich vor allem auf den ländlichen Raum zu. Wenn man sich aber dementsprechend zurückhaltend verhält, sollte man in keinem mittel- oder auch südeuropäischen Land Probleme haben.

Wie sieht es nun im Osten aus? Noch vor einigen Jahren war das Thema Homosexualität in den ehemaligen Ostblockstaaten völlig tabu. Nach wie vor können etwa Bulgarien, Rumänien oder Polen in punkto Gay-Faktor nicht mit mitteleuropäischen Ländern mithalten. Aber die Lage verbessert sich allmählich. In Prag, Warschau oder Krakau gibt es bereits eine besonders vielfältige Szene und auch in Moskau sowie St. Petersburg werden sich Gays nicht langweilen. Nach wie vor sind die Gay-Lokale jedoch im Osten leider etwas versteckt und so kommt es nicht selten vor, dass die Besucher läuten müssen, um hineingelassen zu werden.

Absolute Flops in Europa sind Länder wie Weißrussland, Albanien, Mazedonien oder Moldawien. In Albanien ist Homosexualität zwar nicht verboten, aber es gibt nach wie vor keine Gay-Locations. Weißrussland gilt als die letzte Diktatur Europas. Auch wenn Homosexuelle seit einigen Jahren nicht mehr offiziell verfolgt werden, so werden sie dennoch von einem Großteil der Bevölkerung verachtet. Ein Urlaub wird in diesen Ländern also nicht unbedingt zum Vergnügen.

© Kokkai Ng

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Australien/Ozeanien

Australien gehört zu den beliebtesten Reisezielen, und das nicht umsonst. Das Gay-Angebot in Sydney oder Melbourne lässt nichts zu wünschen übrig. Und auch sonst überall im Land – mag es noch so leer wirken – gibt es Locations unter dem Zeichen des Regenbogens und gehen die Menschen offen mit der Sexualität um. Ähnliches trifft auf Neuseeland zu, nur läuft die Szene entsprechend der kleinen Größe des Landes in gemäßigterem Rahmen ab. Gay-Hochburgen des Landes sind Auckland sowie die Hauptstadt Wellington. Sowohl in Australien als auch in Neuseeland gibt es die Möglichkeit der offiziellen Homo-Ehe.

Die weiteren Inselstaaten Ozeaniens warten größtenteils mit paradiesischen Stränden, wunderschöner Natur und köstlichen Speisen auf, das Angebot für Gays ist jedoch oft leider ziemlich bescheiden. So werden in Papua-Neuguinea Homosexuelle noch immer strafrechtlich verfolgt. Auch auf den Fidschi-Inseln war bis vor kurzem Homosexualität verboten und nicht selten wurden Schwule, die öffentlich Sex hatten, festgenommen. Aufgrund der wichtigen Tourismusindustrie werden entsprechende Gesetze jedoch nach und nach abgeschafft. Generell gilt: Dort, wo Touristen zu finden sind, kann man vielleicht auch ein paar (offene) Gays antreffen. Aber Vorsicht und Zurückhaltung sind geboten, damit der Urlaub zum Traumurlaub werden kann. Und vielleicht tut ein entspannter Urlaub ohne viele Gay-Diskos bei völliger Ruhe auch mal gut …

© Byrdyak

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Afrika

Afrika ist leider der „problematischste“ Kontinent für Gay-Traveller. In mehr als zwei Drittel aller afrikanischen Länder ist Homosexualität nach wie vor illegal und kann mitunter mit unglaublichen Strafen geahndet werden. Unglaublich aber wahr: In Ländern wie Mauretanien, Nigeria oder Sudan können Homosexuelle, die „erwischt“ werden mit dem Tod bestraft werden, und leider ist das nicht nur in der Theorie so. Nicht viel besser sieht es in Tansania, Kenia oder Marokko aus, denn auch hier sieht das Gesetz hohe Haftstrafen vor.

Einziges wirkliches afrikanisches Top-Land für Queers ist Südafrika. Hier ist Homosexualität nicht nur weitgehend akzeptiert, sondern wird auch die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren offiziell anerkannt. In keinem anderen afrikanischen Land ist die Homo-Ehe übrigens legal. Die Zentren des Gay-Life in der südlichen Spitze Afrikas sind Pretoria, Kapstadt sowie Johannesburg. Aber bitte nicht vergessen: Südafrika ist der Land mit der weltweit höchsten Rate an AIDS-Infizierten und daher ist bei Flirts besonders viel Vorsicht angebracht. Generell haben viele afrikanische Länder schwer mit dem HI-Virus zu kämpfen.

Immerhin gibt es einige andere afrikanische Länder, in denen homosexuelle Handlungen toleriert und Homosexuelle einigermaßen akzeptiert werden, auch wenn dies nichts mit der Toleranz zu tun hat, die wir uns im Regelfall in Europa erwarten können. Darunter fallen interessante Reisedestinationen wie Mali, Kap Verde, die Seychellen, Kongo oder Namibia und die Urlaubsinsel Madagaskar. Antidiskriminierungsgesetze gibt es jedoch in keinem dieser Länder. In Afrika ist es für Gays also nicht immer einfach. Wir können nur auf die Zukunft hoffen …

© Sean Pavone

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Nordamerika

Starten wir mit der Top-Meldung: Die Menschen in Kanada und in weiten Teilen der Vereinigten Staaten zählen zu den tolerantesten und freundlichsten der Welt. Im gesamten Bundesgebiet von Kanada ist die Homo-Ehe der Hetero-Ehe gleichgestellt und nicht nur in Metropolen wie Vancouver oder Toronto kann man sich auf ein vielfältiges Gay-Life freuen. Die Gay-Hochburgen der USA sind unter anderem San Francisco, Miami und New York. In einigen Bundesstaaten wie Kalifornien, Massachusetts oder New York ist die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren bereits legal. Nicht nur in Kanada sondern auch in mehreren US-Bundesstaaten können Gays übrigens problemlos Kinder adoptieren.

Auch in Mexiko sollten Schwule gewöhnlich auf keine gröberen Probleme stoßen, denn immerhin gibt es in Bundesstaaten wie etwa Mexiko City bereits die Möglichkeit von eingetragenen Partnerschaften und wurden zu Beginn des neuen Jahrtausends Antidiskriminierungsgesetze verabschiedet.

Etwas komplizierter sieht die Lage in den kleineren nordamerikanischen Staaten sowie in den Karibik-Destinationen aus. Leider ist in einigen paradiesischen Reisezielen wie Barbados, Grenada, Jamaika oder auch Trinidad und Tobago Homosexualität weiterhin verboten und kann mit Gefängnisstrafen belangt werden. Im Gegensatz dazu gibt es erstaunlicherweise keine homophoben Gesetze im kommunistischen Kuba. Weitere attraktive und weitgehend tolerante Urlaubsländer Mittelamerikas sind Panama, die Dominikanische Republik, Costa Rica oder auch die Bahamas, wobei etwa San José in Costa Rica zu den internationalen Gay-Mekkas gehört und sich auch die kleine Gay-Szene von Panama City sehen lässt.

© filipefrazao

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Südamerika

Auch wenn Südamerika nicht an nordamerikanischen Standards gemessen werden sollte, so ist der Kontinent in punkto Gay-Rights dem erzkonservativen Afrika weit voraus. Homosexuelle Handlungen sind nur mehr im Kleinstaat Guyana verboten. In einigen Ländern wie etwa Venezuela oder Peru ist der Einfluss der Kirche relativ bedeutend, sodass homosexuelle Handlungen nicht immer gerne gesehen werden und Gays oft etwas versteckt leben oder urlauben müssen.

Brasilien und Argentinien hingegen sind wahre Paradiese für Gays. In nur wenigen Ländern ist Homosexualität so gegenwärtig in der Gesellschaft wie in Brasilien. Schwule und Lesben können sich in beiden Ländern nicht nur über Antidiskriminierungsgesetze (wie übrigens auch in Bolivien, Chile oder Kolumbien) freuen, sondern haben auch die Möglichkeit einer Ehe bzw. eingetragenen Partnerschaft. Auch in Uruguay sind solche Partnerschaften zwischen Queers möglich.

Die Weltstädte Rio de Janeiro und Buenos Aires gehören zu den weltweit beliebtesten Reisezielen der GLBT-Community und einige Events sind Fixpunkte des internationalen Gay-Veranstaltungskalenders. Erwähnenswert ist auch der Gay Pride in Sao Paolo, welcher der größte seiner Art sein soll. Besonderer Tipp für Brasilien: Wenn man mit einer Urlaubsbekanntschaft ein paar heiße Stunden verbringen möchte, gibt es überall so genannte „Motels“, in denen auch Gays herzlich willkommen sind. Und noch was: Der Mythos der heißen, temperamentvollen und hübschen Südamerikaner entspricht nur allzu oft der Wahrheit…

© Zephyr18

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Asien

Unsere letzte Reise führt uns nach Asien. Erstmal eine schlechte Nachricht: In der arabischen Welt des Nahen Osten schaut es für Gays ziemlich mies aus. Hier ist Homosexualität fast überall verboten und werden sexuelle Handlungen unter Strafe gestellt. Gays, die nach Saudi-Arabien, in den Iran oder in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen, wird also nichts anderes übrig bleiben, als äußerst diskret zu sein. Zurückhaltung wird übrigens auch in Ländern wie Singapur, Sri Lanka oder auf den Malediven empfohlen.

Im Gegenteil dazu ist Israel top und im Vergleich zu den arabischen Nachbarn äußerst gay-friendly. Nicht umsonst ist die Gay-Szene von Tel Aviv besonders vielfältig und weltbekannt. Weitere Highlights in punkto Offenheit gegenüber Gays in Asien sind das fortschrittliche Japan und Thailand. Phuket beispielsweise ist auch beim lesbischwulen Publikum sehr beliebt und kann mit einigen Szene-Lokalen auftrumpfen. Und auch in Bangkok sowie in Tokio gibt es ein buntes Angebot.

Glücklicherweise wendet sich das Blatt auch in Indien und China, auch wenn Homosexualität in China offiziell noch gar nicht existiert. Schön langsam baut sich in den Metropolen Peking und Mumbai eine kleine aber feine Gay-Szene auf. Sobald die Menschen und die Gesetze in Indien toleranter werden, besteht auch die Hoffnung, dass es die touristisch interessanten Nachbarstaaten ihrem großen Nachbarn Indien gleichtun und auch der Ferne Osten schön langsam gay-friendly wird.

Zusammenfassend können Gays problemlos in die meisten Industrieländer der Welt reisen und eine traumhafte Zeit erleben. In ärmeren und weniger entwickelten Ländern sieht es leider oft noch etwas anders aus. Die Strafen, die Gays dort drohen, sind absolut unverständlich und unerklärlich. Aber immerhin verbessert sich die Lage vielfach und erkennen immer mehr Länder, dass auch Schwule gern gesehene Gäste sein sollen. Bis es soweit kommt, ist wohl noch etwas Geduld geboten. Die Hoffnung stirbt zuletzt … (ms)