Galway – traumhaftes Irland

An der Westküste der Grünen Insel liegt Galway. Die Stadt ist stolz auf ihre Universität und ein sehr vielseitiges Kulturangebot. Für das leibliches Wohl von Einheimischen und Gästen sorgen eine ausgeprägte Pub-Szene und viele nette Restaurants. Galway ist eingebettet in eine traumhaft schöne Landschaft, die zum Wandern und Entspannen einlädt.

Ein Castle in Connemara

Von Dublin aus geht es mit dem Bus in den Westen: Einmal bitte quer über die Insel! Galway liegt in einer Ecke von Irland, die Touristen aus Deutschland vielleicht gar nicht so auf dem Schirm haben. Ganz anders Franzosen und Amerikaner, die hier gerne Urlaub machen. So ist Galway für uns wirklich noch ein Geheimtipp. Joe holt mich von der Bus-Station ab. Wir fahren erst mal aufs Land. Die N59 Richtung Clifden durchschneidet eine eindrucksvolle Region, die von Mooren und Bergen geprägt ist und auch einen Nationalpark beheimatet. Unser Ziel ist Ballynahinch Castle. Den ersten Abend werde ich mich fühlen können wie ein Edelmann auf dem ländlichen Schloss, die Freuden städtischer Unterhaltung sind dann morgen dran.

Nach etwa einer Stunde Fahrt, bei der ich mich mit Joe über irische Lebensweise unterhalte, stehe ich vor dem Schlosshotel. Geleitet wird das sehr elegante und zugleich traditionelle Haus von Patrick O’Flaherty. Dessen Vorfahren hatten als Clan großen Einfluss in der Gegend und gründeten dort ein Kloster, wo heute das Schloss steht. Aber jetzt habe ich richtig Appetit. Es ist schon etwas später geworden, also nehme ich gerne etwas Leichtes zu mir. Seafood ist sehr typisch. Auf einer deftigen Platte wird allerlei Frisches aus den örtlichen Gewässern gereicht, allen voran die berühmten Austern. Dazu, ganz rustikal, ein Pale Ale von einer kleinen Brauerei in der Nähe. Bevor ich mich komfortabel bette, noch ein Blick auf das Flüsschen vor meinem Fenster, das sich durch das große Anwesen windet.

Zum Frühstück gibt es ein reichhaltiges Buffet. Dazu Black & White Pudding; mit unserem Dessert-Pudding hat das allerdings nichts gemein. Die dunkle Variante könnte man mit unserer Blutwurst vergleichen. Der White Pudding ist eine Wurst aus Schweinefleisch, Brot und Haferflocken – die besondere Würze erhält diese Spezialität noch durch die Beigabe von Rindernierenfett. Einfach köstlich! Als ich danach zur Rezeption gehe, herrscht an der Bar große Freude: Ein Angler hat im Fluss einen prächtigen Lachs erwischt. Denn Fliegenfischen ist hier das große Ereignis. Da möchte ich mehr drüber erfahren. Cyril kennt sich damit bestens aus. Er zeigt mir die Techniken mit der Angel. Man braucht etwas Geschick – und natürlich viel Geduld, damit die dicken Salme auch anbeißen.

Auf Ballynahinch Castle kann man übrigens nicht nur fischen, sondern auch wunderbar heiraten und hervorragend speisen. Im Kaminzimmer treffe ich mich mit Martina Kearney, sie kümmert sich liebevoll um das Ausrichten von Hochzeiten auf dem Schloss. Wir plaudern ein bisschen über den besonderen Charakter des Hotels, ich tanke dabei noch mal etwas von der einzigartigen Atmosphäre dieses Ortes. In der gemütlichen Bar sitze ich dann noch für einen Plausch mit Patrick O’Flaherty. Mit seiner familiären Beziehung zum Haus ist er natürlich Fachmann für die Geschichte des Schlosses. Er erzählt von Clan-Fehden, Rebellionen, dem Sieg der Engländer über die Iren und der Hungersnot. Die Familie der Martins übernahm im 18. Jahrhundert das Anwesen und baute es auf. Es ging danach durch mehrere Hände. Danach hat es sogar einem indischen Maharadscha gehört, der auch ein großer Cricket-Spieler war. Joe holt mich ab, wir fahren nach Galway. Auf dem Weg kann ich die herrliche Landschaft von Connemara genießen, und wir kommen noch am Aughnanure Castle vorbei; beeindruckend das wehrhafte Turmhaus – übrigens haben auch hier die O’Flahertys gelebt.

Galway by day & night

Quartier nehme ich im The g Hotel. Philip Treacy ist verantwortlich für die Innengestaltung dieses bemerkenswerten Hauses. Von Suzanne möchte ich mehr über die interessante Tatsache erfahren, dass ein berühmter Hut-Designer dem Hotel seine Prägung gegeben hat. Bekannt geworden ist der Kopf-Couturier durch stilvolle Kreationen u.a. für Lady Gaga und das britische Königshaus. Für seine künstlerischen Verdienste wurde Treacy mit dem Order of the British Empire geehrt. Auf einem Rundgang zeigt sich deutlich die Handschrift des Meisters: starke Farben und sanfte Formen erinnern tatsächlich an verspielte Mode. Im Kontrast zum Pink und Weiß in den Sälen dann das strenge Schwarz an der Rezeption. Bis in das kleinste Detail finden sich Anspielungen; so sind die Nachttischlampen ebenfalls wie elegante Damenhüte gestaltet. Das ist gekonnt und überraschend zugleich. Triona Barrett managt das Hotel und zeigt mir auch den aufwendigen Spa-Bereich auf zwei Etagen. Unten die sehr gepflegten Nasszonen, oben ein Zen-Garten zur Entspannung. Linda Evangelista ist wohl eine Ikone von Philip Treacy, denn es gibt nicht nur viele interessante Bilder von ihr im Hotel, sondern auch die Hochzeitssuite wurde nach ihr benannt. Viel Glamour also, mit einer Prise irischem Flair.

Conor nimmt mich mit auf eine Tour durch Galway. Der sympathische junge Mann ist eigentlich Wissenschaftler mit kulturhistorischem Hintergrund, also sehr kompetent. Wir gehen an den Fluss Corrib, der die Stadt durchfließt. Dann an den Hafen – eine frische Brise weht uns um die Nase. Der Westen Irlands ist klimatisch vom Meer stark beeinflusst, deshalb regnet es hier auch schon mal. Vielleicht ist darum die Pub-Kultur so ausgeprägt, das Leben verlagert sich dann eben in die zahlreichen Kneipen, die in Galways Fußgängerzonen zu finden sind. Es gibt hier Universitäten, die Straßen sind voll von jungen Leuten. Musikanten mit Gitarren und Blasinstrumenten sorgen für eine unbeschwerte Stimmung. Wer in Liebeslaune ist, sollte sich mal als Souvenir die Claddagh-Ringe anschauen. Kultur und Kulinarik werden in Galway ebenfalls großgeschrieben. Die Austern von hier sind berühmt – es gibt sogar ein eigenes Festival, bei dem auch Experten aus aller Welt zusammen kommen, um im Wettkampf zu messen, wer am schnellsten Austern öffnen kann. Apropos Festivals: Das Galway Arts Festival ist schon weit über die Grenzen von Irland bekannt.

Am Abend habe ich mich mit James C. Harrold verabredet. Er ist City Arts Officer von Galway und ein sehr gebildeter Mensch. Mit ihm mache ich eine Schnuppertour durch die Pubs. Ich lerne dabei auch ein paar Filmemacher kennen, denn Galway ist so was wie ein Hotspot für Cineasten. Wir klönen an vollen Tischen und lassen uns das dunkle Bier aus hiesigen Mikro-Brauereien schmecken.

Am nächsten Tag dann noch ein kleiner Ausflug nach Craughwell. Ich bin mit Rachel verabredet, die den Raftery’s Pub in der dritten Generation betreibt. Hier lernt man so richtig das einheimische Leben kennen, abseits von städtischen Treiben. Sie nimmt mich auch zu einer Stallung mit Jagdhunden mit. Denn neben Fischen ist auch Jagen eine beliebte Betätigung in dieser Gegend. Nach ein bisschen Landluft kehre ich zurück nach Galway und packe meine Koffer. Dabei denke ich an die vielen Eindrücke, die ich hier sammeln konnte, und die wirklich netten Leute, die ich getroffen habe. (rb)

Mehr Infos zu Galway:

www.ireland.com

www.discoverireland.ie