Goldener Herbst in der Wachau

Beginn in Weißenkirchen

Aufstehen im Raffelsberger Hof – einem Schlosshotel, in dem auch schon der belgische König mit seiner Gattin übernachtet hat. Die Vögel kreisen rund um den Kirchturm. In der kleinen Ortsbäckerei kaufen die Einheimischen ihre Brötchen. „So lange wir noch gewünscht werden, sind wir hier“, sagt die Verkäuferin und strotzt so der Tendenz des Aussterbens von kleinen Dorfläden. Weinbauern bringen bereits ihre ersten Kisten voller weißer Trauben mit ihren Traktoren in die Weinpresse. Am mit Pflastersteinen verzierten Marktplatz schiebt ein junger Mann den Schweinsbraten für ein Ortsfest in den Backofen. An der Donau fahren bereits erste Ausflugsschiffe vorbei. Erste Wanderer machen sich auf den Weg. Oben am Kirchplatz, der nach 80 Stufen zu erreichen ist, begrüßt der Pfarrer eine Gruppe von Architekten, um ihnen die Geschichte vom Ort und der Wachau zu erzählen, und ist stolz darauf, dass es hier oben noch eine eigene kleine Schule gibt. Im Kircheninneren richten sich alle Blicke auf die festlich geschmückte Erntedankkrone, die davon zeugt, dass gerade Erntezeit ist. Der Tag in Weißenkirchen und unsere Reise in der Wachau können beginnen! Die Kultur- und Naturlandschaft Wachau liegt etwa eine Stunde westlich von Wien, gilt als eine der beliebtesten touristischen Regionen Österreichs und gehört seit 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Dürnstein – die Wiege der Wachau

Weißenkirchen ist nur einer der unzähligen malerischen Orte, die sich in der Wachau harmonisch in das Landschaftsbild der Weinregion einschmiegen und zwischen die Donau und die Hügel einbetten. Allen voran Dürnstein, der wohl bekannteste Ort der Wachau, der über die Grenzen Österreichs bekannt ist und über dem eine prächtige Burgruine mit legendärer Geschichte thront. Die barocke, ganz in Blau und Weiß gehaltene Kirche mit dem Kloster diente bereits in der Mitte des letzten Jahrhunderts als Kulisse für kitschige, aber schöne österreichische Heimatfilme, wobei Dürnstein seit damals nichts von seiner Schönheit verloren hat. Durch den schmalen, länglichen Ort zieht sich eine enge Gasse für Fußgänger, in der es die typischen Produkte der Region – vor allem alles rund um die Wachauer „Stars“ Marille (Aprikose) und Wein – zu erstehen gibt. Besondere Aufmerksamkeit in Dürnstein verdient auch die Bäckerei & Konfiserie Schmiedl. In diesem weit über 200 Jahre alten Traditionshaus wurde im Jahr 1905 eine Spezialität geboren – das Wachauer Laberl, ein knuspriges Brötchen, das eine Mischung aus österreichischen Semmeln und französischen Baguette sein soll. Nur in den besten Restaurants und Unterkünften der Region gibt es das Original. Um die Echtheit zu überprüfen, das Gebäck einfach umdrehen, Schmiedl-Laberl sind auf dem Boden mit einem großen S gekennzeichnet.

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Gegen den Strom in Spitz an der Donau

Nicht nur Dürnstein ist ein Synonym für die Wachau, sondern auch Spitz an der Donau. Die Marktgemeinde wird geprägt vom Tausendeimerberg mit terrassenförmigen Weinbergen, der den Ort in zwei Teile gliedert und nach einem kurzen Aufstieg ein herrliches Panorama gewährt. Im Ortskern mit malerischem Ortsplatz und Kirche sind historische Renaissance- und Barockhäuser zu finden. An einigen Sonntagen feiern hier die Einheimischen in ihrer traditionellen Tracht und bei gelassener Stimmung ihre Volksfeste. Was es heißt, einmal richtig gegen den Strom zu schwimmen, und wie man im wahrsten Sinne des Wortes eine Fahrt mit der Reeperbahn machen kann, erlebt man im Spitzer Schifffahrtsmuseum. Wenn wir schon in Spitz und beim Thema Schifffahrt sind, dann legen wir eine kleine Pause im Gasthaus Prankl ein. Das alte Schiffsmeisterhaus direkt an der Donau mit beliebter Terrasse bietet traditionelle österreichische Gerichte an. Unbedingt probieren: Backhendl und danach ein Marillentiramisu. Um das Essen zu verdauen, eignet sich der Anstieg vom Gasthaus Prankl zur Schlossruine des Ortes, etwa um dort die Sonne und die Aussicht auf das Donautal und die Weinhänge, die sich rund um den Ort breitmachen, zu genießen.

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Mit dem Schiff und dem Fahrrad durch die Region

Was wäre die Wachau ohne die Donau? Der mächtige Strom durchfließt von Melk und Spitz über Weißenkirchen bis nach Krems alle wichtigen Orte der UNESCO-Region; im Sommer kann man an einigen Orten sogar baden. Und so verspricht eine kleine Kreuzfahrt eine einzigartige Kulisse auf die schönen Orte, die Weinberge, die goldenfarbige, herbstliche Vegetation und natürlich auf das Wasser. Eine Perspektive auf die Wachau, die man erlebt haben muss.

Eine weitere schöne Art, die Wachau zu erkunden, ist eine Fahrradtour entlang der Donau. An beiden Seiten des Stromes laden Fahrradwege zur Erkundungstour auf zwei Rädern ein. Dabei geht es mitten durch Wiesen, Weinhänge und die berühmtesten Orte der Region. Die Fahrradwege sind weitestgehend flach und leicht machbar – bei Lust und Laune könnte man die Donau entlang sogar bis nach Wien und die angrenzenden osteuropäischen Nachbarländer Österreichs radeln. Aber wir wollen ja in der Region bleiben. Bei den schönen Landschaften, den Sehenswürdigkeiten und Lokalen, die am Fahrradweg liegen, machen die meisten häufig einen Halt, etwa um sich kulinarisch verwöhnen zu lassen oder den Durst nach Wachauer Wein zu löschen.

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Ein Pflichtstopp ist das Weingut Holzapfel des Prandtauerhofs, das sich direkt am Donauradweg in  Joching befindet. Im prächtigen Innenhof mit seinen Arkaden, dem vielen Licht und den geschmackvoll hergerichteten Blumen und Sträuchern spürt man wahrlich die Jahrhunderte alte Geschichte des Anwesens und die Liebe, mit der die Speisen hier zubereitet werden. Vieles kommt aus dem hauseigenen Garten und so sind die bodenständigen österreichischen Gerichte sogar mit essbaren Blumen verziert. Auf keinen Fall entgehen lassen darf man sich die verschiedenen Vorspeisen, die in Form einer Etagere serviert werden – wenn man Glück hat, von einem süßen blonden Österreicher, der so wirklich Appetit auf mehr macht. Hinter dem Gebäude, in dem auch drei Zimmer zur Verfügung stehen, befindet sich ein Weingut mit herrlichem Ausblick auf die Gegend, in dem immer wieder Hochzeiten und Verpartnerungen veranstaltet werden.

Nach dem Essen ist wieder Bewegung angesagt. In der ganzen Region gibt es unzählige Wander- und Spazierwege, allesamt Garant für herrliche Panoramen. Besonders beliebt sind die 14 Etappen des „Welterbesteigs Wachau“, die auf insgesamt 180 Kilometer sämtliche Orte der Region erschließen und an Weinlandschaften, Obstgärten sowie Burgen und Ruinen vorbeiführen. Um sämtliche Etappen zu schaffen, reicht der Urlaub wohl nicht aus… Am besten einfach die Lieblingsetappe aussuchen.

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Die Weine der Wachau

Steinfeder, Federspiel und Smaragd – hinter diesen so edlen klingenden Namen stecken die Bezeichnungen der Wachauer Weine entsprechend ihrem natürlichen Alkoholgehalt. In der Region werden zu mehr als 90% Weißweine produziert, vor allem Riesling und Grüner Veltliner, die alle je nach Weinsorte und Hanglage der Weinreben einen unterschiedlichen Geschmack entfalten. Unzählige Winzer bieten Ab-Hof-Verkauf und Führungen durch die Weinkeller an. Das größte Weingut ist die Domäne Wachau, eine Winzergenossenschaft, in die mehr als 250 Winzer ihre Trauben von den Terrassenlagen und Weingärten entlang der Donau liefern, und in dem ein entsprechend großes Sortiment an Weinen zu haben ist.

Um die Weine der Region so richtig zu genießen, empfiehlt sich ein edles Abendessen in der Hofmeisterei Hirtzberger in Weißenkirchen. Nicht nur das denkmalgeschützte Gebäude selbst ist ein Genuss, sondern vor allem die feinsten Gerichte aus der noblen Küche. Großer Stolz der Restaurants ist ein Weinkeller mit mehr als 800 verschiedenen Weinen. Das ständig an die Saison angepasste Fünf-Gänge-Menü mit der jeweils passenden Weinbegleitung ist wärmstens zu empfehlen und verspricht einen gelungenen und stilvollen Abend. Eine besondere Bemühung des Restaurants für eine faire Bezahlung des Personals: In allen Speisen und Getränken sind bereits 10% Trinkgeld enthalten.

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Krems – die größte Stadt der Wachau

Wer nach so viel Natur und Sport Lust auf ein bisschen Stadtfeeling hat, dem ist ein Besuch der Universitätsstadt Krems ans Herz zu legen. Die Stadt hat unter 30.000 Einwohner, ist aber bei weitem der größte Ort der Region und ist dank der vielen Studierenden ziemlich belebt und so fehlt es nicht an Locations für Cocktails & längere Abende – wobei auch Krems nicht als wirkliche Ausgehmeile bezeichnet werden kann. Aber dafür sind wir ja nicht in der Wachau. Die Doppelstadt Krems-Stein besticht durch ein kaiserlich anmutendes Flair, mittelalterliche Gassen und Arkaden, zwischen denen sich immer wieder das eine oder andere nette Café oder Geschäft versteckt.

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Ganz in der Nähe von Krems steht noch ein kulinarisches Highlight der Wachau auf dem Programm. Auf der anderen Seite der Donau wartet in Mautern der Nikolaihof auf seine Besucher. Dass hier die Natur im Mittelpunkt steht, merkt man gleich bei der Ankunft. Eine prächtige, über 100 Jahre alte Linde bildet gemeinsam mit einer Kapelle das Herzstück des schönen Innenhofs, in dem die Abende lang und gemütlich werden können. Seit Jahrzehnten wird im geschichtsträchtigen Hof Wein nach strengen biologischen Demeter-Methoden produziert. Auch in der Küche geben natürliche Produkte den Ton an. Geschmacksverstärker und andere Zusatzstoffe sind ein großes Tabu, wie auch in der Speisekarte zu lesen ist. Bereits beim Austausch von ein paar Worten mit der Wirtin Christine Saahs, die übrigens zwei erfolgreiche Kochbücher herausgab, merkt man, mit wie viel Leidenschaft und Herzblut sie für den Nikolaihof und den Einklang mit der Natur im Einsatz ist. So macht Essen und Trinken wirklich Freude.

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Abschluss in Melk

Zum Abschluss des wunderschön herbstlichen Urlaubes begeben wir uns nach Melk, neben Krems das andere Ende bzw. der Beginn der Wachau. Das kleine Städtchen lädt zu einem Spaziergang ein. Dominiert wird es vom Stift Melk, einem riesigen Barockgebäude, das sich mächtig über dem Ort und der Donau ausbreitet. Und so genießen wir von der Aussichtsterrasse – einem der Highlights des Stiftes neben der Kirche und der Bibliothek – noch einmal ein wunderschönes Panorama auf die Donau und die wunderschöne Landschaft der Wachau und schließen damit den herrlichen Aufenthalt in dieser Region ab. So schön kann Herbst sein. Spätestens zur Marillenblüte im nächsten Frühjahr sollten wir wieder zurückkommen… (ms)