Grüezi, St. Gallen!

Nahe dem Bodensee und der deutschen Grenze liegt diese beschauliche und zugleich sehr lebendige Stadt. Kulturdenkmäler und eine blühende Wirtschaft prägen das Bild von St. Gallen. Typisch schweizerische Küche, ein beachtliches Nachtleben und herrliche Landschaft laden ein zum Besuch. Hier kann man zur Ruhe finden und auch viel Spaß haben.

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Die Stiftsbibliothek // © Ralph Blömer

 

Hidden Champion in der Ostschweiz

 Der Legende nach stolperte der Mönch Gallus um das Jahr 612 in einen Strauch und verletzte sich. Ein Bär kam herbei. Gallus sprach mit dem Tier und bewegte es zum friedlichen Rückzug. Die Gegend gefiel dem Gottesmann und so gründete er hier ein Kloster. Die heilenden Kräfte von Gallus machten bald das Kloster berühmt bei seinen Zeitgenossen. Schon früh fingen die Mönche an, Bücher zu schreiben und zu sammeln. Heute ist die Stiftsbibliothek Teil des UNESCO-Welterbes. Zu Zeiten der Reformation kam es auch hier zu Auseinandersetzungen, allerdings wurden diese friedlich beigelegt. So hat St. Gallen seitdem einen katholischen und einen reformierten Stadtteil. In dieser Zeit begannen die Kaufleute fremde Länder zu bereisen, um Rohstoffe zu beschaffen und neue Märkte zu sichern. Dies legte die Grundlage für den Wohlstand der Stadt. Über hundert Prunkerker an den Häusern künden davon. Besonders die Textilindustrie fand hier eine große Blüte. Stickereien und Spitzen aus St. Gallen – das war und ist ein Markenzeichen. Da sich die Leute in St. Gallen gut mit dem Geld verdienen auskennen, hat die hiesige Universität einen sehr guten Ruf als Kaderschmiede für Wirtschaftskapitäne. Große Banken und Versicherungen haben sich angesiedelt. Damit entwickelte sich auch ein Kulturangebot, das in Quantität und Qualität vorzüglich ist. Man leistet sich sogar ein eigenes Sinfonieorchester und ein bedeutendes Kunstmuseum. Durch Schenkungen und Stiftungen hat das Kunstmuseum St. Gallen einen Ruf von Welt: Neben einer umfangreichen Sammlung der Alten Meister präsentiert der Musentempel auch zeitgenössische Werke, die sich sehen lassen können. Wer abends ausgehen möchte, findet ein breites Spektrum an Kneipen, Clubs und Bars für jeden Geschmack.

Der Gründervater // © Ralph Blömer

Bürli & Bratwurst

 Vom Bahnhof sind es nur ein paar Minuten zu Fuß zum Sorell Hotel City Weissenstein. Das gemütliche Haus liegt sehr zentral, man kann von hier aus die Stadt prima erkunden. Tobias holt mich ab zu einem ersten Rundgang durch St. Gallen. Wir schlendern durch das „Wohnzimmer“ der Stadt. Der „Rote Platz“ im Bankenviertel ist zugleich begehbares Kunstwerk und Relax-Zone für die Bewohner von St. Gallen. Hier trifft man sich zur Mittagspause, hält ein Schwätzchen und lässt die Seele baumeln. Abends sorgen schwebende Findlinge für die Illumination der Sehenswürdigkeit. In der Fußgängerzone steigt ein lieblicher Duft in meine Nase: Ein Stand bietet die rustikale Spezialität der Stadt an – Bürli und Bratwurst. Bürli ist ein knuspriges, dunkles Brötchen, Stichwort: harte Schale, weicher Kern. Dazu essen die Leute hier eine deftige Bratwurst, die aus Kalbfleisch hergestellt wird. Ein regelrechter Wettbewerb herrscht unter den hiesigen Metzgern, wer denn die beste Bratwurst macht. Dies wird auch lebhaft unter den Einwohnern diskutiert. Das Rezept, mit seiner besonderen Gewürzmischung, ist selbstverständlich bei jedem Metzger ein wohl gehütetes Betriebsgeheimnis.  Danach steht mir den Sinn nach etwas Süßem. Auch da weiß Tobias Rat: Er bringt mich zu einer der hervorragenden Confiserien der Stadt. Hier gibt es Biber. Das ist ein leckerer Lebkuchen, meist mit einer Mandelfüllung. Den lasse ich mir auf der Zunge zergehen. So bin ich auch gestärkt für ein kulturelles Highlight von St. Gallen: In der Lokremise treffe ich Irina. Das ehemalige Rangierwerk ist heute Kulturzentrum und eine Dependance des Kunstmuseums St. Gallen. Hier finden Events statt, Theateraufführungen und Konzerte. Irina zeigt mir das Gebäude und eine interessante Video-Installation eines bekannten Künstlers. Gerade ist eine Schulklasse begeistert durch die Räume gegangen. Angeschlossen an dieses Kulturzentrum ist auch ein schickes Restaurant, das LOKAL. Abends bin ich mit Ambros Wirth, in seinem Restaurant Gaststuben zum Schlössli in der Zeughausgasse, verabredet. Ambros ist ein Kenner und Liebhaber der traditionellen Küche, die er mit neuen Impulsen verfeinert. Die Atmosphäre ist gediegen und doch bodenständig. So mögen es die Leute hier, und so mag ich es. Obwohl das Restaurant sehr gut besucht ist, nimmt sich Ambros Zeit, um mir ein bisschen etwas über seinen Werdegang und seine Esskultur zu erzählen. Er ist Gastronom mit Leib und Seele, ein Gemütsmensch, der die Welt gesehen hat und doch seiner Stadt treu geblieben ist. Als Highlight empfinde ich eine Speise, die wohl schon der gute Gallus seinerzeit zur Genesung von seinen Mönchskollegen serviert bekommen hat: Fisch im Mantel. Dazu gibt erlesene Tropfen aus dem Weinkeller. Zum Dessert kommt Tobias vorbei, und wir erkunden danach gemeinsam das Nachtleben von St. Gallen. Da gibt es zum Beispiel das „Bermuda-Dreieck“: Hier wird bis in die frühen Morgenstunden an den Wochenenden gefeiert.

Bratwurst mit Buerli // © Ralph Blömer

 

 Bücher & Tücher

 Am nächsten Tag treffe ich Maria. Sie kennt sich sehr gut aus in Geschichte und Gegenwart der Stadt. Wir besichtigen die Stiftsbibliothek. Hier sind besonders wertvolle Bücher verwahrt und ausgestellt. Ein riesiger Globus prangt in dem reich verzierten Lesesaal. Eines der ältesten Bücher deutscher Sprache bringt hier nicht nur Germanisten zum Schwärmen. Touristen aus aller Welt besuchen diese einzigartige Stätte des Kulturerbes. Dann geht es weiter durch die Gassen von St. Gallen. Die Prunkerker an den Kaufmannshäusern sind faszinierend. Sie sind Ausdruck von Stolz und Selbstbewusstsein der Bürger der Stadt. Verewigt in kunstvollen Holzornamenten sind die Erfahrungen in fremden Ländern, bei Handel und Wandel. Danach mache ich einen Abstecher zu einem echten Original. Ruedi Gamper ist Extremsportler, Weltbürger, Whisky-Sammler und ein Unikum. Der junge Mann hat schon viel erlebt, er reitet Wellen und klettert hochalpin. Außerdem betreibt er die Südbar in St. Gallen. Hier trifft sich allabendlich das In-People von St. Gallen. Stolz zeigt er mir in der Raucher-Lounge seine exquisite Sammlung von Whiskys. Das ist seine Schatzkammer. Ruedi lebt seinen Traum als erfolgreicher Geschäftsmann mit spannenden Hobbys.  Jetzt ist es Zeit, mal etwas Natur zu genießen. Ich fahre hinaus zum Romanshorn, wo die Anlegestelle am Bodensee ist. Mit der Fähre geht es rüber nach Friedrichshafen. Auf der Brücke darf ich den Kapitänen Müller und Gafner über die Schulter schauen. Sie fahren schon seit vielen Jahren diese Strecke, haben so manches Wetter auf dem Binnenmeer erlebt. Es tut gut, sich bei strahlendem Sonnenschein eine frische Brise um die Nase wehen zu lassen. Zurück am Landungssteg empfängt mich Frau Stütz. Sie zeigt mir das neue Eventschiff der Reederei. Die MS Säntis ist vor Kurzem völlig renoviert und umgebaut worden. Jetzt ist das schöne Schiff für Veranstaltungen aller Art bestens gerüstet. Ob Heiraten auf dem See oder Firmenevent, hier macht Feiern richtig Spaß. Wer den See von Land aus genießen möchte, sollte mal in das Restaurant Hafen einkehren. In maritimer Atmosphäre kann man hier kulinarische Freuden erleben. Bevor ich am folgenden Tag die Heimreise antrete, möchte ich mir noch das Textilmuseum von St. Gallen anschauen. Hier wird in sehr anschaulicher Weise die Geschichte der Stoffe und deren Nutzung präsentiert. Man glaubt gar nicht, wie vielfältig Textilien im privaten und industriellen Bereich zum Einsatz kommen. Für mich ist St. Gallen ein echter Geheimtipp, den man nicht missen sollte. (rb)

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Detail Prunkerker // © Ralph Blömer

Mehr Infos:

www.st.gallen-bodensee.ch

www.MySwitzerland.com