Holland: Herrliche Hansestädte

Die Niederlande können auf eine große Tradition als Seefahrernation zurückblicken. Noch heute kann man den kulturellen Reichtum bestaunen, den die Hanse im späten Mittelalter und früher Neuzeit den maritim geprägten Städten gebracht hat. Deventer, Zwolle und Harderwijk sind Beispiele für die individuelle und zugleich typische Geschichte der holländischen Hansestädte.

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Auf der Fähre in Deventer © Ralph Bloemer

 

Deventer: Gewürzkuchen & Würziges Bier

Frau Ank ist eine herzensgute Dame. Sie empfängt mich im Museum de Waag. Ein interessanter Ort, um sich mit der Historie von Deventer etwas vertraut zu machen. Denn, wie der Name schon sagt – hier wurde alles gewogen, was die Händler so aus aller Welt heranschafften. In den hohen gotischen Hallen wird die prächtige Geschichte des Ortes erlebbar. In der oberen Etage lerne ich die kulinarische Spezialität, den Deventer Koek, kennen. Das Rezept ist uralt und bis heute geheim. Soviel ist bekannt: Um die Haltbarkeit zu verbessern, wurde auf Butter und Eier verzichtet, dafür kam Honig rein. Frau Ank bekommt leuchtende Augen, wenn sie von der Tradition dieser leckeren Köstlichkeit erzählt. Nachdem ich mich auf dem Hauptplatz von Deventer, De Brink, bei strahlendem Sonnenschein umgeschaut und die vielen Cafés und Restaurants mit wunderbar restaurierten Fassaden bestaunt habe, kehre ich bei Eigenwijs zum kleinen Fischimbiss ein. Hier ist es richtig gemütlich. Nebenan, im Deventer Koekwinkel, kann ich mich zum Dessert auch mal selbst von der Qualität des Gewürzkuchens überzeugen. Der Tag neigt sich. Ich bin mit Arnoud vom DAVO-Brauhaus verabredet. Das Besondere daran: Es wurde mit Crowdfunding gegründet. Arnoud ist mit Bier aufgewachsen, sein Vater war schon Braumeister. Als echter Hipster will er neue Wege in einem alten Handwerk gehen, also tat er sich mit Freunden zusammen und gründete eine Bierkooperative, die mit vielen kleinen Investitionen der BürgerInnen von Deventer arbeitet. So vielfältig wie die Finanzierung seines Unternehmens und so bunt wie seine Gäste sind, so breit gefächert auch die Getränkekarte. Wir verkosten seine neue Kreation mit Kirscharoma und sind begeistert. Ein wenig selig schlendere ich danach über die Brücke auf die andere Seite der Ijssel. Die Blaue Stunde taucht eine Windmühle in der Ferne in ganz besonderes Licht. In meinem Quartier für die Nacht angekommen, dem edlen Sandton Ijsselhotel, ruhe ich mich ein wenig aus und lasse die Eindrücke Revue passieren. Mit Blick auf den nächtlichen Kirchturm kann ich noch ein verzückendes Abendessen hier zu mir nehmen, ich würde es als Haute Cuisine mit regionalem Einschlag bezeichnen. Am nächsten Morgen treffe ich Truus zum Stadtrundgang, wieder haben wir viel Glück mit dem Wetter. Deventer ist eine echt schnuckelige Stadt, mit herrlichen kleine Gassen, wo man schön shoppen kann. Hier kennt jeder jeden. Deventer ist auch eine Stadt der Literatur, mit einem Charles-Dickens-Festival und einem der größten Büchermärkte Europas. Denn der Buchdruck hat hier eine lange Tradition. Sehr empfehlenswert ist auch das große Spielzeugmuseum, wo junge und jung gebliebene Menschen viel Spaß haben können. Ganz moderne Architektur bietet das Rathaus. Nicht weit davon entfernt gibt es im De 7e hemel übrigens einen himmlischen Pfannekuchen mit Speck.

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Das Museum am Abend in Zwolle © Ralph Bloemer

 

 

Zwolle: Museum de Fundatie & De Librije

 

Mit dem Zug geht es weiter nordwestlich nach Zwolle. Im Bilderberg Grand Hotel Wientjes, in der Nähe des Bahnhofs, bin ich bestens untergebracht. Und schon bin ich auf dem Weg zu einer der Hauptattraktionen der Stadt – dem Museum de Fundatie. Teo zeigt mir die beeindruckende Kollektion des Hauses, das auch mit seinen wechselnden Ausstellungen ein internationales Publikums anzieht. Fasziniert stehe ich vor den riesigen Gemälden des Neo Rauch, diesem surreal angehauchten Großmeister der Farben. Auch von außen ist das Museumsgebäude, worin ursprünglich Gerichte tagten, ein Hingucker: Auf dem Dach prangt, weithin sichtbar, ein kugelförmiger Ausbau mit weiterer Ausstellungsfläche. Dann geht es weiter zum nächsten Highlight in Zwolle. In einem ehemaligen Gefängnis haben Jonnie und Thérèse Boer ihren Gourmet-Tempel De Librije errichtet. Das Konzept spricht alle Sinne an: Gediegenes Ambiente, Kunstwerke auf den Tellern und an den Wänden. Drei Michelin-Sterne, und das seit vielen Jahren. Wer ebenso gediegen nächtigen möchte, kann dies in einer der exzellenten Suiten im Hause tun. Matthias, der sich um die Organisation dieser kulinarischen Institution der Niederlande mit Weltruf kümmert, gewährt mir auch einen Blick hinter die Kulissen der Küche. Hier wird Genuss auf höchstem Niveau zelebriert. Ganz anders, aber nicht weniger schmackhaft, ist mein Abendsnack im Ingeburgerd, wo sehr kreative Burger gereicht werden. Ein vorwiegend jüngeres Publikum bevölkert das hippe Lokal. Bert holt mich am nächsten Tag vom Hotel ab. Wir besichtigen die weiteren Sehenswürdigkeiten von Zwolle. Schicke Fußgängerzonen mit feinen Shops, die schönen Grachten, auch Reste der Stadtbefestigung. Denn Zwolle musste früher seinen Hanse-Wohlstand wehrhaft verteidigen. Unser Rundgang endet im Waanders in de Broeren, eine riesige Buchhandlung in einer ehemaligen Kirche. Hier macht Schmökern richtig Laune. Die dortige Brasserie bietet leckere Speisen und Getränke nach dem Lese- und Shoppingevent.

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Beach-Cafe Walhalla in Harderwijk © Ralph Bloemer

 

 

Harderwijk: Walhalla & Stadsmuseum

 

Wieder mit dem Zug unterwegs, jetzt Richtung Südwesten, nach Harderwijk. Auf dem Zimmer im Beach Hotel Monopole finde ich einen Brief auf dem Tisch. Arnold schreibt mir ein paar nette Zeilen zur Begrüßung. Er ist auf Bali mit Steven, dem Besitzer der Café-Bar Walhalla direkt nebenan, kann also leider nicht persönlich anwesend sein. Arnold schreibt, dass Harderwijk besonders gay-friendly ist und hier viele LGBT-Projekte und -Events laufen. Das ist prima. Ich schlendere erst mal den Steg runter zum Walhalla. Bei herrlichem Ausblick herrscht hier eine gemütliche und relaxte Atmosphäre, die Cocktails sind sehr empfehlenswert. Nach einer kleinen Rast an der Bar möchte ich die Stadt ein wenig erkunden. Vorbei geht es an vielen kleinen Shops und Restaurants, dann stehe ich vor dem Stadtmuseum. Corien zeigt mir die verschiedenen Bereiche des Hauses, in denen man die Geschichte von Harderwijk nacherleben kann. Durch die maritime Lage war die Fischerei früher sehr wichtig. Sogar eine Universität hatte Hardewijk, an der große Gelehrte wie Carl von Linné tätig waren. Abends gehe ich zu J.P., der De Dolle Griet, ein fabelhaftes Restaurant  im Zentrum der Stadt seit vielen Jahren führt und hier raffinierte Fisch- und Fleischgerichte kredenzt. Mit Herman kann ich mir tags drauf in Ruhe die romantischen Gassen und Häuser von Harderwijk anschauen. Ich schaue mir an, wie die Fischer früher gelebt haben, mit ihrer bescheidenen und zweckmäßigen Einrichtung. Viel erinnert in der Stadt auch an die Zeiten der Universität, prächtige Gärten und auch noble Bürgervillen. Es gibt Restaurants, die mit Sterne-Auszeichnungen geadelt sind. Nicht zu vergessen das Dolfinarium, das sich jetzt allerdings in einer Umbruchphase befindet. Meinen Aufenthalt in diesem wunderschönen Ort beschließe ich auf dem Marktplatz im Luigi’s, wo ich mit Truida de Vries noch lange klöne über gutes Essen und Erlebnisse. Natürlich kommt auch hier das Kulinarische in der Praxis nicht zu kurz: Truida lässt mich allerlei Leckeres von der üppigen Speisekarte kosten. Mein Tipp: Hollands Hansestädte mal besuchen! (rb)

Mehr Infos:

www.holland-hanse.de

www.deventer.nl

www.visitzwolle.com

www.harderwijk.nl

www.holland.com