Kuba

Reise in die Vergangenheit11

Kuba, als größte Insel in der Karibik, hat das größte Potenzial als Reiseziel dieser Region. Wären da nicht die Revolution von Fidel, Che und ihren Compagneros und das seitdem bestehende Handels-Embargo der USA …

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Aber gerade dieses Embargo hat dazu beigetragen, dass auf Kuba die Zeit stehengeblieben scheint. Havanna, die große alte Dame der Karibik ist anschauliches Zeugnis dafür. Nicht allein die ungezählten Oldtimer aus den 1940er und 1950er Jahren – auch die Architektur aus den Anfangsjahren des zwanzigsten Jhdt. findet man nirgendmehr sonst weltweit in dieser Zahl beieinander.

Neben Tabak und Rum wäre das schon Grund genug, sich dieses Reiseziel vorzunehmen. Dazu kommt, dass in naher Zukunft eine Menge Veränderungen anstehen werden und müssen. Seit Raoul Castro, der jüngere Bruder von Fidel, die Staatsgeschäfte leitet, hat sich das Land verstärkt dem Tourismus als Deviseneinnahmequelle zugewandt und den Kubanern manche markwirtschaftliche Nische eröffnet.

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Die Touristenwährung ist der Peso convertible (CuC), die dem US Dollar gleichgesetzt ist und ungefähr den 25-fachen Wert des einheimischen kubanischen Pesos (CuP) besitzt.

Wenn man erfährt, dass der Durchschnittskubaner mit einem Monatseinkommen von ca. 25 CuC auskommen muß, also ca. 20 €, kann man den eigenen Wert als Tourist – der Kubaner bezeichnet ihn humorvoll als „Dollar auf 2 Beinen“ – abschätzen. Wer den Flug von ca. 10 Stunden nicht scheut, für den ist Kuba ein relativ preiswertes Urlaubsziel. Andererseits führt die Touristenwährung aber bei den Einheimischen zu Prostitution jeglicher Art, um an die begehrten Devisen zu kommen.

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Neben Urlaub in All-inclusive-Hotels mit gesperrtem Privatstrand berührungslos von der einheimischen Bevölkerung erobern immer mehr Individualtouristen die Insel mit ihren tropischen Naturschönheiten und ihren freundlichen, immer gutgelaunten und gutaussehenden Menschen. Trotz der Einfachheit ihrer Lebensverhältnisse ertönt allerorten Salsamusik und den Rhytmus des Tanzes haben die Kubaner einfach im Blut.

Es gibt nur zwei Jahreszeiten auf Kuba, die Regenzeit mit der Hurrikan-Saison und teils sintflutartigen Schauern. Die Trockenzeit von November bis Mai ist angenehm temperiert und trocken und damit die bessere Reisezeit.

Also Gründe genug, Kuba bei der nächsten Urlaubsplanung mit einzubeziehen.

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Havanna

Die Hauptstadt Kubas liegt im klimatisch gemäßigten Norden der Insel nur 140 km südlich von Key-West/ Florida entfernt. Sie ist die größte Stadt in der Karibik – mit über 2 Millionen Einwohnern lebt hier jeder fünfte Kubaner. Havanna gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der damit verbundenen finanziellen Förderung ist zu verdanken, dass der Verfall der Bausubstanz zumindest bei den größten und bedeutendsten Gebäuden gestoppt wurde. Jedoch scheint aufgrund des Klimas und der Menge an erhaltenswerter historischer Architektur der Verfall schneller vonstattenzugehen, als er aufgehalten werden kann. Andererseits prägt der Verfall den Charme der Metropole, weil alles der stetigen und sichtbaren Veränderung unterliegt.

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Empfehlenswert für Individualtouristen ist es, in Havanna ein Hotel oder eine Casa particular* zu mieten und von hier Ausflüge in andere Landesteile zu unternehmen. Vier Stadtteile in Havanna selbst gilt es hierbei vorallem zu Fuß, mit dem Taxi oder dem Touristenbus „Stop and go“ zu erkunden:

1.) Die Altstadt von Havanna mit Capitol, alten spanischen Festungsmauern und Kirchen, den Lieblingsbars von Hemingway und den Buena Vista Social Club.

2.) Die Hafenpromenade und natürlich den Malecon, als sogenannter Balkon Havannas zum Atlantik.

3.) Im Westen des Malecon an der Ramblas (Calle 23) am weltberühmten Hotel Nacional beginnt das Stadtviertel Vedado mit Gründerzeit-, Jugendstil- und Art Deco-Gebäuden vom Feinsten.

4.) Mit der Fähre gelangt man über den natürlichen Hafen Havannas zum Stadtteil Casablanca mit der Jesusstatue, zum Leuchtturm und den Festungsanlagen der Spanier, die heute als Museum fungieren, sowie dem Wohnhaus von Che mit herrlichem Ausblick auf die Altstadt.

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Ausflüge

Leider verfügt Kuba über keine gute Verkehrsinfrastruktur. Für Touristen empfielt sich daher

1.) Der Mietwagen (sehr teuer und meist nur auf Vorbestellung). Der Verkehr in Havanna ist mörderisch; außerhalb der Metropole ist gut zu fahren. Man kann zur Not auf den Autobahnen wenden, wenn man die Tankstelle auf der anderen Seite ansteuern möchte. Und es sind hier Radfahrer, Gauchos und Viehkarren unterwegs.

2.) Der Touristen-Überland-Bus (Ist zwar preiswert, aber durch die vielen Zwischenstopps langsam. Bei Überfüllung wird man trotz Tickets nicht mitgenommen und wartet bis zu 24 Stunden auf den nächsten Bus)

3.) Das Taxi und private Reiseanbieter.

Dem letzteren ist der Vorzug zu gewähren. Private Reiseanbieter erfährt man im Reisebüro, aus dem Internet oder vor Ort vor allem in den Casas particulares, die inzwischen zum Netzwerk des privaten Tourismus werden.

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Beliebte Ziele

1.) Die landschaftlich sehr reizvolle Gegend um Vinales mit ihren in der Landschaft freistehenden Felsen (Mogotes). Hier befindet sich das bekannteste Tabakanbaugebiet des Landes.

2.) Die Fahrt nach Matanzas mit der einzigen „Elektrischen“ auf Cuba. Allein die Fahrt für die 100 km in vier Stunden ist die Reise wert.

3.) Tagesausflüge nach Cienfuegos, Trinidad und Santa Clara.

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Szene

In jüngster Zeit bewegt sich einiges in der LGBT-Szene in Kuba, woran Mariella Castro, die Tochter des Präsidenten Raoul Castro, als die „Mutter der LGBT-Bewegung“ in Kuba, maßgeblichen Anteil hat. Durch ihre Kontakte auch nach Deutschland gibt es die erste Casa particular mit schwulem Schwerpunkt. Neben staatlichen Szenebars, die sehr lustlos betrieben werden, gibt es endlich die ersten privaten Szenebars, die im Service mit jeder europäischen Bar mithalten können. Da die Szene jedoch noch in den Kinderschuhen steckt, sind die Besucher sehr jung, der Altersdurchschnitt liegt bei ca. 25 Jahren.

Beliebter allabendlicher Treffpunkt ist der Malecon in Höhe des Hotels Nacional. Hier befinden sich auch die meisten Szenebars. Daneben gibt es regelmäßige Partys, in Hotels oder Theatern. Näheres erfährt man, sobald man einheimische Schwule kontaktiert.

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Tagsüber trifft sich die Szene am Strand Playa del Este, (die „Badewanne Havannas“) am Strandabschnitt Mi Cayito. Es ist ein wunderschöner flacher Sandstrand, weit ab vom Massentourismus, den man mit dem Taxi von Havanna für 20 bis 25 CuC (mit dem Taxifahrer aushandeln) pro Fahrzeug für Hin- und Rückfahrt erreichen kann. (Der Fahrer erhält sein Geld erst nach der Rückfahrt nach Havanna). Gemeinschaftsfahrten machen sich also bezahlt. (vvg)

* Casas particulares sind privat betrieben Pensionen, die sehr individuell geführt werden, hervorragenden Service bieten und auch schnell den Kontakt zu den Einheimischen ermöglichen.