Magdeburg – Zu Gast bei Otto

Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt hat einiges zu bieten: Sie ist Metropole an der Elbe, mit einem imposanten Dom aus dem Mittelalter. Zwei Herren mit dem Namen Otto haben die Stadt wesentlich geprägt. Ausgedehnte Parks machen Magdeburg zu einem Ort der Entspannung. Für das leibliche Wohl sorgen Restaurants mit erlesener und deftiger Küche. Und abends kann man ins Kabarett gehen. Eine Reise, die Spaß macht.

 

Geschichte & Gegenwart

Am Bahnhof von Magdeburg erwartet mich schon Tanja Glootz. Sie kümmert sich um die touristischen Belange der Stadt und bringt mich zu meiner Unterkunft. Nun, das ist eigentlich untertrieben. Denn ich übernachte im Art Hotel der Grünen Zitadelle. Schon von weitem sticht das rosafarbene Gebäude hervor. Es entstand nach Plänen von Friedensreich Hundertwasser. In dem originellen Komplex kann man auch in Appartments wohnen. Hübsche Geschäfte laden zum Shopping ein. Das Hotel ist sehr gepflegt, Design steht hoch im Kurs, Frühstück gibt es reichlich auf dem Zimmer. Nachdem ich kurz eingecheckt habe, gehe ich mit Armin Minkner auf Entdeckertour. Magdeburg blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Als erstes lerne ich, dass der Name Magdeburg nichts mit „Magd“ zu tun hat, sondern mit „Macht“ – also bitte aussprechen mit kurzem A und hartem G. Im Mittelalter war es eine mächtige Festung, die unter anderem gegen die Slawen zur Verteidigung errichtet wurde. Otto der Große schenkte seiner Frau Editha Magdeburg zur Heirat. Sie kam aus England und fühlte sich hier sehr wohl. Schon im Jahr 1035 fanden in der Stadt Messen statt. Handel war immer schon wichtig für die Stadt. Hier fließt die Elbe durch, und wichtige Handelsstraßen kreuzten sich in Magdeburg. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass hier das Magdeburger Recht entwickelt wurde. Kaufleute aus nah und fern übernahmen die Regeln zum gedeihlichen Umgang miteinander. Mit Armin besichtige ich den gewaltigen Dom. Hier liegen Kaiser Otto und seine Editha begraben. Man kommt sich richtig klein vor neben den riesigen Säulen, die zum Himmel steigen. Von dort gehen wir zur Elbe.

Am Ufer des Stroms erzählt mir Armin mehr über die Stadtgeschichte: Der Dreißigjährige Krieg im siebzehnten Jahrhundert hat hier furchtbar gewütet. Magdeburg wurde mit Schwert und Feuer völlig verwüstet. Am Ende des Krieges betrat Otto von Guericke die politische Bühne und wurde hier Bürgermeister. Wiederaufbau und geschickte Diplomatie gehören zu seinen Verdiensten, für die er noch heute geehrt wird. Außerdem war Otto von Guericke ein glänzender Wissenschaftler, der sich besonders große Verdienste auf dem Gebiet der Physik erworben hat. Die Vakuumtechnik verdankt ihm das Kugelexperiment: Wenn man zwei Kugelhälften die Luft entzieht, können noch nicht mal zwei Pferde diese wieder auseinander bringen. Heute ist Magdeburg auch als Ottostadt bekannt, Otto der Große und Otto von Guericke werden mit Denkmälern geehrt. Mit Armin gehe ich in die Innenstadt. Hier gibt es schöne Einkaufszentren und große Alleen. Im Barock haben die Fürsten hier  Prachtstraßen gebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt  fast völlig zerstört durch Bombenangriffe. Zu DDR-Zeiten konnte nicht alles restauriert werden. Es blieben freie Flächen, die zum Teil mit typischen Nachkriegsbauten gefüllt wurden. Von manchen Überbleibseln sozialistischer Architektur hat man sich mittlerweile getrennt. Heute wirkt Magdeburg überraschend großzügig in der Innenstadt, was sich aus der historischen Entwicklung erklärt.

 

Kabarett, Jazz & Solebad

Am Abend gehe ich ein paar Schritte vom Hotel, rüber in die Leiterstraße zum Kabarett Zwickmühle. Dort treffe ich zwei legendäre Künstler der hiesigen Kleinkunst-Szene: Hans-Günther Pölitz und Marion Bach. Schon am Eingang merke ich, dass es hier eher familiär zugeht. Die Bühnenstars begrüßen persönlich die Gäste – man kennt sich und schätzt sich. Vor dem Auftritt kann ich mich kurz mit den Kabarettisten unterhalten, über das laufende Programm und die Situation des Kabaretts insgesamt. Pölitz ist ein Urgestein der politischen Satire, hat sein Handwerk in Zwickau und Dresden gelernt, nach der Wende war er auch bei  der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Marion Bach kommt ebenfalls vom Bühnenfach und trägt seit Jahren als quirlige und kreative Partnerin zum Erfolg der Shows bei. Beim Auftritt wird kein Blatt vor den Mund genommen, und vor Lachen bleibt kein Auge trocken. Die Gastronomie der Hauses bietet herzhafte Küche und erfrischende Getränke. Kein Wunder, dass die Magdeburger humorvoll sind: Till Eulenspiegel soll auch hier mal seine Streiche gespielt haben, daran erinnert sogar ein Brunnen zu seinen Ehren.

Nach einer geruhsamen Nacht im Art Hotel besuche ich das Café Alt Magdeburg, das sich ebenfalls in der Grünen Zitadelle befindet. Ulrike kredenzt mir die Spezialität des Hauses, Bienenstich nach einem Rezept von 1920, mit heißer Schokolade. Auch die Waffeln sind zu empfehlen. So kann der Tag beginnen. Bei einer Führung lerne ich die Anlage der Grünen Zitadelle noch besser kennen. Lebenskonzepte und künstlerische Visionen des Meisters Hundertwasser werden hier umgesetzt. Man möchte das Zusammenleben sinnvoll gestalten, Nachhaltigkeit und Nachbarschaftlichkeit sind wesentliche Elemente. Eine Besonderheit: In den Wohnungen wachsen Bäume, die auch von den Bewohnern gepflegt werden. Vielfalt und Individualität gehen in dieser Wohngemeinschaft harmonisch zusammen mit Gemeinsinn und Kreativität. Es ist sicherlich ein Privileg, hier wohnen zu können. Anschließend gehe ich mit Heike von Lukullus-Tours spazieren, um das kulinarische Magdeburg kennen zu lernen. Es gibt hier alles von deftig bis edel: „Bötel mit Lehm und Stroh“ ist die hiesige Variante von Eisbein, gereicht mit Erbsenpüree und Sauerkraut. Schicke Cafés mit herrlichen Torten kann man hier ebenso finden, wie französische Edelküche mit diversen internationalen Auszeichnungen. Kulturell ist eine Menge los in Magdeburg. Jazz hat hier immer eine große Rolle gespielt. Zu Zeiten der DDR war die Improvisationsmusik stets auch Ausdruck von Freiheitsliebe und wurde von der politischen Führung eher misstrauisch beäugt, genauso wie das Kabarett. Warnfried Altmann kennt die Jazz-Szene in Magdeburg wie kaum ein anderer. Wir treffen uns in der Galerie der Kunstwerkstatt. Warnfried ist gerade bei Proben für den Abend, wir können uns zwischendurch mal unterhalten. Er ist ein Virtuose der Blasinstrumente und gibt mir sogar ein kleines Ständchen. Es gibt viele Konzerte und Musikevents in Magdeburg, Jazz und Klassik haben hier eine große Bedeutung. Der weltbekannte Barock-Komponist Georg Philipp Telemann ist übrigens in Magdeburg geboren.

Am nächsten Morgen mache ich mich auf nach Schönebeck, eine kurze Bahnreise von Magdeburg entfernt. Im dortigen Solebad treffe ich Schwimmmeister Ralf Schreiber. Es ist das älteste Solebad Deutschlands. Ursprünglich wurde hier Salz gewonnen, das früher sehr wertvoll war. Daraus entstand im 19. Jahrhundert ein Kurbetrieb, da die Inhalation salzhaltiger Luft heilsam für die Atemwege ist. Neben den imposanten Anlagen des Gradierwerkes aus alten Zeiten steht das moderne Solebad. Ralf Schreiber zeigt mir die verschiedenen Bereiche, die Becken mit  unterschiedlicher Wärme und Salzkonzentration, die Saunalandschaft. Hier wird Wellness gelebt, Erholung ist garantiert. Das macht Appetit: Zurück in Magdeburg besuche ich das Restaurant Hoflieferant, nur zwei Minuten vom Dom entfernt. Hier gibt es saisonale Küche nach Hausmacher-Art, mit viel Liebe zubereitet und einem Hauch von Finesse. Das ist Genuss auf hohem Niveau. Und für mich ein wundervoller Abschluss meiner Reise nach Magdeburg, das mir in bester Erinnerung bleiben wird. (rb)

 

Infokasten:

Mehr Infos zu Magdeburg:

www.magdeburg-tourist.de/