Sachsen – prächtige Schlösser und Burgen

Großartige Architektur hat hier Tradition: Sachsen ist ein Schlösserland, mit zahlreichen Baudenkmälern, die eindrucksvoll an die Herrscher früherer Zeiten erinnern. Viel wird hier auch getan zum Erhalt der prächtigen Bauten. Geschichte wird und bleibt damit erlebbar. Kulturinteressierte können nebenbei auch auf den Geschmack sächsischer Küche kommen. Besuch einiger herausragender Zeugen der Vergangenheit.

Barockschloss Rammenau & Burg Stolpen

Am Flugplatz in Dresden werde ich schon von Vivien erwartet. Wir fahren nordöstlich eine halbe Stunde nach Rammenau. Das hiesige Barockschloss hat eine interessante Geschichte. Zu Anfang, Ende des 16. Jahrhunderts, stand hier ein Rittergut. Der Kammerherr von August dem Starken, Ernst Ferdinand von Knoch, übernahm die Liegenschaft und baute ab 1721 das Schloss im Stile der damaligen Zeit. Dann ging ihm das Geld aus. Den Innenausbau übernahmen dann spätere Eigentümer, die den klassizistischen Stil bevorzugten. Angeschlossen ist ein englischer Park. Ich treffe Ines Eschler, die Schlossleiterin. Sie erzählt mir von der wechselvollen Historie des liebevoll renovierten Gebäudes. Im Geschmack der damaligen Zeit ist das Chinesische Zimmer gestaltet. Ein Festsaal steht bereit für Empfänge und Events. Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte wurde hier als Geistesgröße entdeckt und gefördert.

In den Salons wurden Feste gefeiert und politische Gespräche geführt. In der entzückenden Gartenanlage kann man lustwandeln und dem Plätschern der Brunnen lauschen. In der Küche des Schlossrestaurants darf ich dem Chefkoch Axel Göber über die Schulter schauen. Auf der Speisekarte stehen sowohl Gerichte für die hohen Herrschaften, nach althergebrachten Rezepten zubereitet, als auch Speisen für das „Gesinde“. Die Rammsche Suppe geht zurück auf ein Ereignis, bei dem Untreue und Verrat eine Rolle spielten. Und zum Dessert gibt es Eingebrocktes, aus Sauerrahm und Teigwaren. Dann zeigt mir die Schlossherrin noch das Hochzeitszimmer, vielmehr eine großzügige Suite, die keine Wünsche bezüglich Komfort und Ambiente offen lässt. Frisch Vermählte sind hier sehr willkommen, und es wird alles für das Wohlergehen am schönsten Tag getan.

Etwas südlich von Rammenau liegt die Burg Stolpen. Auch hier eine wechselvolle Geschichte, unter Beteiligung berühmter Persönlichkeiten. Ein Basaltberg bildet die Grundlage für die wehrhafte Anlage, die schon im Mittelalter gebaut wurde. Steil geht es hoch zur Vorburg. Hier empfängt mich Jens Gaitzsch. Er hat lange zum Werdegang der Burg Stolpen geforscht und auch dazu publiziert. Nicht alles ist über die Jahrhunderte erhalten geblieben, doch der Eindruck ist gewaltig: Hier wurde gekämpft, geliebt und gelitten. Die Gräfin Cosel hat hier viele Jahre verbracht, nachdem sie bei August dem Starken in Ungnade gefallen war. In ihrem Gefängnisturm gibt es eine kleine Ausstellung mit Exponaten aus der damaligen Zeit, auch Briefe der Cosel sind erhalten. Bemerkenswert ist originales Schuhwerk, das Hofdamen damals getragen haben. Auf dem Weg zum Aussichtsturm am Ende der Burg kommen wir an einem sehr tiefen Brunnen vorbei, tief in den Basaltstein gehauen. Dann der wundervolle Ausblick auf den Zinnen ins Land. Dabei ein Wetter, das auch August gefreut hätte.

Zurück in Dresden steht ein Besuch im Schauspielhaus auf dem Programm. Bevor das Konzert mit Jan Vogler beginnt, möchte ich sächsische Küche im Restaurant „william“ genießen, ebenfalls im Schauspielhaus. Auf den Tisch kommen Bautzener Senfei als Vorspeise, Königsberger Klopse und Quarkkeulchen mit Sorbet – das mundet. Nun bin ich gestärkt und kann mich ganz den Klängen Prokofiews, Kabalewskys und Bruckners sechster Sinfonie widmen. Danach fahre ich zum Schloss Eckberg, wo ich sehr gepflegt nächtige. Im Kavaliershaus habe ich ein schönes Zimmer und kann am nächsten Morgen im Schlossgebäude eine kräftiges Frühstück zu mir nehmen.

Fasanenschlösschen Moritzburg & Schloss Moritzburg

Eine kurze Autofahrt nordwestlich von Dresden liegt das Fasanenschlösschen Moritzburg. Als Sommerresidenz im Rokoko-Stil gehalten, war es ein intimer Rückzugsort. Hier wurden und werden heutzutage wieder Fasane gezüchtet. Auf dem nahe gelegenen See steht ein Leuchtturm. Eine idyllische Anlage, wie gemacht zur Entspannung vom schwierigen Regentschaftsalltag. Die Räume sind nicht riesig, sondern eher überschaubar und gemütlich. Vieles aus der Zeit des 18. Jahrhunderts ist noch erhalten, darunter aufwendige Tapeten aus Federn. Margitta Hensel kennt dieses Anwesen sehr gut und zeigt mir seine Besonderheiten. Im Erdgeschoss liegen die Kabinette zum Wohnen und Arbeiten sowie Schlafzimmer. In der ersten Etage dann der üppige Speisesaal. Restaurierte Möbel aus der damaligen Zeit, Chinoiserien und präparierte Vögel vermitteln einen Eindruck, wie die Menschen hier gelebt haben. Der Blick geht auf den See, mit dem kuriosen Leuchtturm: Seinerzeit haben die Edelleute nämlich kleine Seeschlachten inszenieren lassen, zur Unterhaltung und als herrschaftliches Spektakel. In der Ferne ist Schloss Moritzburg zu sehen.

Barockschloss Rammenau

Wenige Minuten vom Lustschlösschen entfernt liegt eine gewaltige Anlage: Auf Schloss Moritzburg wurde der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gedreht. Es ist ein riesiges Wasserschloss inmitten eines großen Sees. Mit vier Türmen ragt dieses architektonische Prunkstück in den Himmel. Hier hat sich August der Starke ein Denkmal gesetzt. Ralf Giermann zeigt mir die imposanten Säle des Schlosses. Erstaunlich ist der Monströsensaal, wo nur verkrüppelte Geweihe an der Wänden hängen. Wir schauen uns auch den Moritzburger Schatz an, eine Sammlung aus wertvollen Gold- und Silberutensilien. Stattliche Prunkmöbel, edles Porzellan und eine bemerkenswerte Sammlung an Hundegemälden wecken mein besonderes Interesse. August war ein begeisterter Jäger und hat seine besten Jagdhunde auf die Leinwand verewigen lassen. Auf Schloss Moritzburg finden alljährlich Festivals statt und auch kulinarisch hat es viel zu bieten: Im Schlossrestaurant kann man frische saisonale Küche wie Spargel, Karpfen und Fasan genießen.

Das Schlösserland Sachsen hat jedoch noch viel mehr an wundervollen architektonischen Zeugen der Vergangenheit zu bieten. In anderen Teilen des Landes warten weitere Schlösser und Burgen auf ihre Erkundung. (rb)

 

Mehr Infos zu Schlösser und Burgen in Sachsen:

www.schloesserland-sachsen.de