Scottsdale: Western-Oase in Arizona

Im Südwesten der USA, neben der Metropole Phoenix gelegen, wurde Scottsdale auch schon mal mit South Beach in Miami verglichen. Das stimmt einerseits, denn die einmalige Mischung von schickem Ambiente und Party-Life lässt Parallelen zu. Andererseits sind wir hier in einer echten Western-Oase, mit kulinarischen Highlights, fabelhaften Kunstgalerien und dem Flair der Pioniere. Hollywood-Stars finden hier Erholung, das Wüstenklima sorgt für milde Winter und heiße Sommer. Eine Reise mit viel Sun & Fun.

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Museum of the West & Shopping

Über Philadelphia fliege ich nach Phoenix, Arizona. Am Abend komme ich an, schnappe mir ein Taxi am Flughafen. Die Lichter der Großstadt. Breite, schnurgerade Straßen, dann Scottsdale: „The West’s Most Western Town“. Ich nehme Quartier in einem legendären Hotel – dem Valley Ho. Hier genießen seit Jahrzehnten Hollywood-Stars den diskreten Service und das frappierende Design. Robert Wagner und Natalie Wood gaben sich hier das Ja-Wort. Bette Davis, Bing Crosby, Marilyn Monroe und Humphrey Bogart gaben sich hier die Klinke in die Hand. Im Stil der späten 1950er-Jahre, mit vielen bunten Elementen und stilvollen Möbeln, wäre das Hotel für die „Mad Men“ der Knaller. Als früherer Treffpunkt der Reichen und Schönen verlor das Valley Ho in den 1970ern durch Umbau seinen originalen Charakter, schließlich drohte sogar der Abriss. Dann wurde es zum Denkmal erklärt und liebevoll im alten Stil renoviert. Heute ist das Valley Ho wieder einer der Hotspots von Scottsdale. An der geschwungenen Bar ist viel los, als ich den Lift zum Zimmer nehme, und nach einer erfrischenden Dusche der Reisestress völlig von mir abfällt.

Am nächsten Morgen weckt mich ein herrlicher Sonnenaufgang. Das Licht ist hier ein ganz besonderes – das liegt wohl an der Wüste. Bald rekeln sich auch schon schöne Körper am Pool. Zeit für mich, im Restaurant ZuZu einen reichhaltigen Brunch zu genießen. Dann schlendere ich durch das angrenzende Galerienviertel, den Arts District. Künstler mit traditionellen und sehr modernen Konzepten stellen hier aus. Mein Ziel ist das Museum of the West. Passend zum Motto der Stadt sind hier Exponate aus allen Epochen der Zivilisationsentwicklung des Westens versammelt. Da gibt es Gemälde und Skulpturen mit Native Americans und Cowboys als Motive, eine beeindruckende Sammlung von allerhand Gebrauchsgegenständen der Westen-Kultur und Einblicke in das durchaus harte Leben in Zeiten des Frontiers.

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Apropos, im Sommer ist es hier ziemlich heiß – jetzt habe ich Durst. Mit Brian vom Scottsdale Tourismus-Office mache ich eine kleine Erkundung der örtlichen Mikro-Brauereien. In der Goldwater Brewing Company testen wir das spezielle Kaktusbier. Man könnte denken, dass der knallrote Gerstensaft süß wäre – weit gefehlt! Herrlich herb und süffig trifft es eher. Für Bier braucht man Wasser. Also frage ich Brian, wo denn das ganze Wasser für die Brauereien, die weiten Golfanlagen und die vielen Swimmingpools herkommt. Die Antwort ist der Colorado River, im Norden von Arizona. Überhaupt ist dieser US-Staat von Gegensätzen geprägt. Auf der einen Seite im Süden die Wüste mit Sonne satt, im Norden Gebirge mit ausgeprägtem Wintersport. Höhepunkt des Abends ist das Citizen Public House, in Old Town Scottsdale gelegen, wo wir uns typische Gaumenfreuden der Region schmecken lassen. Die Küche in Arizona ist geprägt von mexikanischen Einflüssen, die auf ur-amerikanische Weise ergänzt werden. Also Fleisch in vielen Variationen, Mais gehört dazu, überbackener Käse – und scharf darf es sein. Die Cocktails hier sind auch ein Genuss. Der Abend ist noch jung. Also schaue ich mir mal das Nightlife ein bisschen an. Im BS West trifft sich die schwule Jeunesse Dorée von Scottsdale. Als Party-Hochburg ist das Städtchen vor allem im Frühling und Winter zu empfehlen. Besonders über Silvester ist hier richtig Remmi-Demmi.

Ace Bailey kennt Scottsdale wie ihre Westentasche. Wir gehen am nächsten Tag durch die Stadt und besichtigen die besondere Mixtur von Western-Architektur in Old Town und den großzügigen Alleen. Viele Galerien haben sich hier niedergelassen. Das legere Ambiente und die wohlhabenden Bürger und Besucher der Stadt bieten dafür die Grundlage. Wir treffen Laura von Scottsdale Tourismus zum Lunch im Craft 64, nur wenige Schritte vom Valley Ho entfernt. Hier gibt es wohl die beste Pizza der Stadt. Roger Carpenter legt viel Wert auf frische Zutaten aus der Region, hat ein spezielles Verfahren zum Backen entwickelt – und das schmeckt man. Ich probiere die Tagesempfehlung, mit viel Chili, extrascharf. Wow! Zurück in das Valley Ho zur Entspannung. Im Spa werde ich mit einer hawaiianischen LomiLomi-Massage beglückt. Wellness ist neben Golf eine der wichtigsten Erholungsaktivitäten in Scottsdale. Das wellenartige Muskelkneten, in Kombination mit tropischer Aromatherapie, ist eine wahre Freude für Körper und Seele. Mit einem kleinen, alkoholfreien Drink am Pool lasse ich den Tag ausklingen.

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Wüstentour & Taliesin West

Bevor ich das Museum of Contemporary Art besuche, möchte ich noch einen weiteren Ess-Tempel von Scottsdale kennenlernen. Zuvor bin ich in das Saguaro Hotel umgezogen, ganz zentral gelegen, mit gemütlicher Atmosphäre. Auch hier frische Farben, freundliches Personal und ein fabelhaftes mexikanisches Restaurant. Mit Clare bin ich im AZ88 verabredet. Neben einem vielfältigen Angebot an raffinierten Gerichten im Southwestern-Style, die sich keineswegs sparsam auf dem Teller präsentieren, bietet AZ88 übrigens noch eine Besonderheit: Hier verabredet sich gerne die LGBT-Szene, die Unisex-Toiletten sind ein Erlebnis in ästhetischer Hinsicht – mehr wird nicht verraten. J Im Museum nebenan dann beeindruckende Gemälde ambitionierter Künstler und interessante Installationen. Wer hätte gedacht, dass diese Western-Town so hochgestochene Kunst zu bieten hat? Jetzt ist Zeit für Shopping. Scottsdale ist ein Eldorado für schicke Mode und Accessoires. Wer sich den Western-Look gönnen möchte, wird bei Bischoff’s Shades of the West und Saba’s Western Wear fündig. Im Celebrity Encore gibt es herrliche Designer-Stücke für jeden Geschmack. Und im Back to the Rack finden Secondhand-Freunde ihr nice piece zum nice price.

Am nächsten Morgen geht es früh los. Armond von Arizona Outback Adventures holt mich um 07:00 Uhr ab. Für die Wüstentour sind Wasservorrat, hochgradiger Sonnenschutz und Kopfbedeckung ganz wichtig. Wir fahren raus aus der Stadt, Ziel ist das McDowell Sonoran Preserve. Das ist ein Naturschutzgebiet, etwas 30 Minuten Fahrt von Scottsdale entfernt. Wir haben uns für unsere Wüstenwanderung den Gateway Trail Loop vorgenommen, der etwa zwei bis drei Stunden dauert. Und es ist richtig heiß, so etwa 38 Grad Celsius. Mit Rucksack und Ehrgeiz bewaffnet, wandern wir los. Die Sonne sticht. Meterhohe Kakteen säumen den Weg. Armond erklärt mir die Besonderheiten von Flora und Fauna. Vor vielen tausend Jahren haben hier schon Menschen gelebt, das Gestein ist teilweise vulkanischen Ursprungs. Wir müssen auch mal Halt machen, denn das ist schon anstrengend. Etwas verblüfft beobachte ich Jogger, die schweißüberströmt die Hügel emporlaufen. Da lasse ich es doch lieber etwas gemächlicher angehen. Mit Armond rede ich über Gott und die Welt. Dann geht es irgendwann wieder bergab, und ich bin darüber nicht unglücklich. Als wir wieder im Auto sitzen, habe ich sowohl ein spektakuläres Naturerlebnis hinter mir, als auch meine physischen Grenzen ausgelotet. Jetzt erst mal die wohlverdiente Dusche! Wandern macht hungrig. Und wer richtig Appetit hat, der ist bei Cowboy Ciao richtig aufgehoben. Die Spezialität hier ist Stetson Chopped, ein Salat aus Rucola, Couscous, Mais und Avocado. Danach folgt noch ein West Coast Wrap, mit Huhn in Spinat-Tortilla. Als Dessert Bread Pudding. Richtig lecker! John, der mich rührend bei Tisch umsorgt, nennt das Konzept des Hauses „new american style“. Das Cowboy Ciao ist ein echter Geheimtipp.

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Aber damit nicht genug. Die Wege in Scottdale sind nichts weit. Die Old Town ist wie mit dem Lineal in kleine Quadrate durch Straßen geteilt – die Orientierung fällt daher leicht. So finde ich auch schnell meinen Weg zur LDV Wine Gallery, wo Isla mich schon erwartet. Es ist nicht verwunderlich, dass hier in der Gegend der Wein gut gedeiht, bei soviel Sonne. Die edlen Tropfen sind allerdings gar nicht übermäßig süß, wie man erwarten könnte, sondern herbe, vollmundige Weinsorten aus Rhone-Trauben stehen im Vordergrund des Angebots. Angeschlossen ist eine kleine Kunstgalerie mit schönen Stücken zum Verkauf. Weiter geht es zu Robert Carlson, dem Dritten. Als Sprössling einer örtlichen Wein-Dynastie ist Robert ein echtes Original. Früher war er Börsenbroker, er wollte auch ins All. Jetzt kümmert er sich mit viel Liebe zum Detail um seine Reben, vor allem Riesling. Robert gibt auch Weinseminare, führt einen Weinclub und hat Kunst im Programm. Wir unterhalten uns angeregt über die hiesige Weinszene und sein bewegtes Leben. Dann wird es Zeit für die letzte Station des Tages: das FnB-Restaurant, mitten in Old Town von Scottsdale. Pavle Milic hat für seine Gourmet-Küche schon sehr viel Lob erhalten, die einschlägigen Fachjournale überschlagen sich mit Anerkennung für die erlesenen Gerichte des quirligen Kochfürsten, dessen Mutter aus Kolumbien stammt und der Vater aus dem Balkan. Die Speisekarte verspricht viel; was dann auf den Teller kommt, hält alles. Ein vortrefflicher Abschluss eines ereignisreichen Tages.

Nochmal Kultur tanken: Der Star-Architekt Frank Lloyd Wright hat in Scottsdale mit dem Taliesin West bemerkenswerte Spuren hinterlassen. Dieser spirituelle Philosoph der Baukunst ist bekannt für seine organische Bauweise. Nachhaltigkeit, Einfachheit und Funktionalität sind Kennzeichen dieser Ikone amerikanischer Architektur. Das Talisien West hat Wright als Ausbildungsstätte und Eigenheim konzipiert. Hier vermittelte er ab den 1930er-Jahren seine visionären Ideen. Sehr beeindruckend sind die sehr gegenwärtig anmutenden Gebäude, die auch fernöstliche Elemente enthalten. Architektur soll dem Menschen dienen und ihm Ruhe und Frieden geben, so das Credo von Frank Lloyd Wright. Das ist auch das richtige Stichwort für das Hotel, in dem ich jetzt ein paar Tage verbringe. Im Fairmont Scottsdale Princess Hotel steht Erholung an erster Stelle: Das Resort liegt etwas außerhalb vom Zentrum, die riesige Anlage umfasst alles, was der Gast braucht, um zu sich zu finden. Besonders schick ist das Wellness-Zentrum, das mir Robert Vance zeigt. Ich darf auch gleich mal eine Gesichtsbehandlung ausprobieren.

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Am Abend treffe ich mich mit Valerie im hoteleigenen Restaurant La Hacienda. Mexikanischer Stil im Ambiente und auf dem Teller, 240 Sorten Tequila. Wir lassen es uns gut gehen. Aber das ist nur ein Restaurant von mehreren des Fairmont Princess. Mit Erin und Brian esse ich auch im Toro Latin Restaurant, das lateinamerikanische Küche mit fernöstlichen Impulsen verknüpft. In der angeschlossenen Rum-Bar gibt es 105 Sorten des aromatischen Getränks. Brian bringt mich nach dem herrlichen Lunch zum Hyatt Regency Scottsdale Resort & Spa at Gainey Ranch. Hier erlebe ich eine Tanzaufführung von Native Americans. Die Kultur der amerikanischen Ureinwohner hat mich immer schon fasziniert. Und es ist wunderschön, diese Menschen beim Tanz zu sehen, mit ihren bunten Gewändern und rhythmischen Bewegungen. Philippe Brenot, ein Franzose mit viel amerikanischem Esprit, zeigt mir das Hotel. Gemeinsam atmen wir danach gesunde Luft in der Salzgrotte des Hotel-Spa und lassen uns dann die Muskeln massieren. Philippe wäre kein Franzose, wenn er nicht auch den kulinarischen Freuden huldigen würde. Also gehen wir noch in das hoteleigene Restaurant Wine Me, Dine Me, wo man den Köchen beim Zubereiten der köstlichen Gerichte in die Töpfe und Pfannen schauen kann,. Hier ist Southswestern Cuisine vom Feinsten angesagt, dazu eine sehr gepflegte Auswahl an delikaten Weinen.

Mein Fazit: Scottsdale ist etwas für Entdecker! (rb)

 

Infos zu Scottsdale:

www.experiencescottsdale.com