Unterwegs an den oberitalienischen Seen

Wer braucht schon das Meer, wenn es auch wunderschöne Seen gibt. Rechtzeitig zum Start des Sommers sind wir nach Mailand geflogen, um von dort aus den Luganer und den Comersee zu erkunden. Und wir haben so einiges erlebt…

Duomo at sunrise, Milan, Europe.

© ventdusud

Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug in Milano Malpensa spüren wir sie: Sie sind wieder da, die Sommersonne und diese angenehm heiße Luft. Endlich wieder Sommer! Wir haben vor der Anreise ein Auto reserviert und holen uns dieses direkt am Flughafen ab. Unsere Tour kann beginnen!

Obwohl wir gerade erst in Italien angekommen sind, brechen wir gleich mal auf in Richtung Norden zum Schweizer Sonnenkanton Tessin, genauer gesagt nach Lugano. Nach einer guten Stunde begrüßt uns die größte italienischsprachige Stadt der Schweiz mit ihrer traumhaften Lage umgeben von Bergen und dem See, den sie seinen Namen gibt. Der Monte Salvatore ist ein wahrer Juwel von Lugano und erinnert uns ein bisschen an den Zuckerhut von Rio. Wir spazieren die wunderschöne Uferpromenade entlang, besuchen die Altstadt und stellen fest: Das Flair ist hier wahrhaft italienisch, nur ist alles sauberer und organisierter als im Nachbarland, aber die Preise sind auch höher.

© CarloRestuccia

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Gestärkt fahren wir eine kleine Bundesstraße den See entlang, bis wir in Gandria, dem letzten Schweizer Ort am Luganersee vor der italienischen Grenze, ankommen. Die Gemeinde könnte verschlafener nicht sein, wir begegnen kaum einer Seele. Abstand vom Citytrubel, genau das brauchen wir. Wir finden nur ein einziges Restaurant, das ist dafür umso schöner, denn die Terrasse ist direkt über dem See und verwöhnt uns mit einem wunderschönen Ausblick. Wie es sich gehört, genießen wir gleich einen frischen Fisch direkt vom See.

Zeit, wieder die Grenze nach Italien zu überschreiten. Nur wenige Minuten weiter erwartet uns in San Mamete Valsolda die bereits reservierte Unterkunft „Stella d’Italia“. Die Lage ist perfekt, das schöne Hotel befindet sich direkt am See, von unserem Zimmer haben wir so ziemlich die beste Sicht überhaupt und direkt am See gibt es ein schönes Restaurant und einen ruhiger Privatstrand für Hotelgäste. In diesem Familienbetrieb fühlen wir uns besonders wohl, Opa, Oma, die Kinder, alle scheinen sich um uns zu kümmern. Fast bereuen wir es, dass wir hier nur eine Nacht reserviert haben. Wir springen mehrere Male in das angenehm warme Wasser, genießen das Flair im Restaurant und chillen am Strand. „Stella d’Italia“ sollte zu einem Highlight unseres Ausflugs werden.

© narvikk

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Am nächsten Tag „müssen“ wir jedoch weiterziehen.  Da es am Hotelstrand jedoch so schön ist, bleiben wir noch den ganzen Nachmittag. Danach verlassen wir den Luganersee, es geht ein bisschen hinauf in die Berge, bevor wir dann den imposanten Lago di Como erblicken und nach Menaggio hinunterfahren. Wieder erwartet uns ein schöne, palmenumsäumte Strandpromenade und eine kurze Fußgängerstraße, die vom Hauptplatz bis zur Kirche führt. Persönliches Highlight ist jedoch der Stand mit den Lavendelprodukten, und zwar nicht wegen der Produktauswahl, sondern weil der Verkäufer unglaublich sexy und charmant ist. Er bietet uns gleich gratis einen Limoncello zur Verkostung an. So einem netten Typen muss man einfach was abkaufen…

Um uns eine lange Autofahrt zu ersparen, nehmen wir nach einem Aperitif am Hauptplatz die Autofähre nach Varenna, in dessen Umgebung die nächste Unterkunft für uns gebucht ist. Von Varenna müssen wir dann eine kurvige Bergstraße hinauf, um „Casa Cristina“ zu erreichen. Wir finden nicht sofort hin, ein sympathischer Italiener hilft uns jedoch, er telefoniert mit mehreren seiner Familienmitglieder und Freunde, bis er uns dann erklären kann, wo wir die Unterkunft finden. Typisch italienisch. Das freut uns und zeigt uns wieder mal, dass es auf der Welt immer wieder hilfsbereite Menschen gibt…

© alxpin

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Rita von „Casa Cristina“ empfängt uns herzlich und zeigt uns gleich das schöne, zweistöckige Appartement in einem total ruhigen, kleinen Ort voller Steinhäuser und ohne Autos. Sie führt auch ein Restaurant – das einzige im Ort – und so genießen wir gleich eine leckere Pizza. Auf Empfehlung der Besitzerin spazieren wir zum wunderschönen Schloss „Castello di Vezio“, von wo wir eine unglaubliche Aussicht auf die Comersee und die Berge genießen können. Ein weiteres Highlight!

Am folgenden Tag machen wir uns mit Varenna vertraut. Am Lido gönnen wir uns ein paar chillige Stunden am Strand und ein Mittagessen. Am Nachmittag spazieren wir dann in das kleine Stadtzentrum. Mit den bunten Häusern, der schönen Kirche und dem Platz, den Restaurants und Gelaterias direkt am See sowie den engen Gassen und den vielen Stiegen wird Varenna zu unserem Lieblingsort an diesem Wochenende.

© marinzolich

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Wir haben noch nicht genug! Um noch einen neuen Ort kennen zu lernen, nehmen wir am späten Nachmittag ein Schiff nach Bellagio. Besonders gut gefallen uns dort die Promenade und die unzähligen Spezialitäten, die an den Ständen angeboten werden. Als wir am Strandbad ankommen, „halten wir es nicht mehr aus“ und müssen bei den warmen Temperaturen und dem verführerischen See nochmal schnell ins Wasser springen. Und das bei großartiger Musik, denn im „Lido Beach Club“ ist Feierstimmung, ein DJ legt auf. Wenige Augenblicke später wird ein beeindruckendes Buffet für einen typisch italienischen Aperitif aufgebaut. Für 8 Euro bekommen wir einen Aperol Spritzer und dürfen uns gleichzeitig bei den herrlichen Pastas, Fischen, Pizzastücken usw. bedienen. Wir sind mitten unter den heißesten Typen der Gegend bei einer angesagten Party. Wir fühlen uns mondän und einfach richtig am Platz, eine Stimmung, die wir lange nicht vergessen werden. Die Italiener wissen halt, wie es sich leben lässt.

Am nächsten Tag müssen wir uns dann von unserem netten Appartement verabschieden. Wir genießen nochmal die Flair von Varenna und bestellen in unserem neuen Lieblingslokal „Varenna Caffè“ frischen gepressten Orangensaft, Piadiana und Panini. Zum Abschied vom See machen wir in der kleinen Ortschaft Mandello del Lario einen letzten Halt für eine Abkühlung, wo wir einen netten Kiesstrand finden. Jetzt aber geht’s zurück nach Mailand.

© peterzsuzsa

© peterzsuzsa

Ach, wir waren ja noch in keinem einzigen schwulen Lokal. In der Region um den Luganer- und Comersee fällt das auch nicht schwer, denn wir haben keine Gay-Locations gefunden. Macht aber nichts, und im Grindr wäre schon was gelaufen. Es tat aber mal gut, auf Dates zu verzichten. Eine Pause vom Gay-Life tut ist auch nicht schlecht. Wir haben so genug „Höhepunkte“ erlebt. Und immerhin verbringen wir die letzte Nacht vor unserer Heimreise in Mailand, und da warten ja wieder genug Abenteuer auf uns. (ms)